Mein neues Leben, mit 40 :)

Im Volksschulalter hatte ich einen Unfall mit meinem Fahrrad. Einen jener Radunfälle, wo man sich die Lenkerstange in die Rippen rammt und Du keine Luft mehr bekommst. Das war 10 Minuten vor Schulbeginn und so blieb mir nichts anderes übrig, als mein Rad zu schnappen und in die Schule zu fahren. Meiner Mama hab ich nie davon erzählt, bildete mit aber seither ein, dass mein rechter Brustkorb eingedrückt war. Erst mit meinem ersten Job, im Alter von 23 Jahren begann mein Rücken Probleme zu machen, ich ging alle 6 Wochen zu meinem Osteopathen und lebte weiter mein Leben, unbeschwert. Bis ins Jahr 2011 (ich war mittlerweile 36 Jahre alt), als diese Rückenschmerzen mich von da an jede (!) Nacht daran hinderten zu schlafen. Schmerztabletten wollte ich natürlich nicht jeden Tag nehmen und so gewöhnte ich mich dran. In dieser Zeit baute ich meine Firma sehr erfolgreich aus, denn untertags machte mir mein Rücken ja keine Probleme – im Nachhinein weiß

ich, dass das der entscheidende Hinweis gewesen wäre, um mein Rückenproblem zu lösen. Ausprobiert hab ich viel: von Yoga bis Feldenkrais, vom Klettern (was ich bis heute liebe) bis Grinberg. Im Frühjahr 2013 war ich noch jedes Wochenende skifahren, im Herbst ging dann gar nichts mehr: Die Schmerzen waren so unerträglich, dass ich oft in der Früh nicht aufstehen konnte. Ich konnte eigentlich nur noch gehen, Auto fahren und fliegen waren unmöglich – seither weiß ich, wie gut das Netz der ÖBB in Österreich ausgebaut ist. Das Paradoxe dran, ich hatte mich an die Einschränkungen gewöhnt und erfreute mich trotzdem meines Lebens

Um zu schmerzlindernden Medikamenten zu kommen, ging ich immer wieder in andere Apotheken, wie ein Junkie, der nicht auffliegen wollte. Meine Ärzte und Therapeuten tappten weiter im Dunkeln. Bis mein Vater eines Tages meinte, es wäre ihm ein dringendes Anliegen, dass ich ein MRT machen ließe und dann war alles sehr schnell klar: mein Rückenmarkskanal war zu 7/8 verschlossen von einem Neurinom (ein gutartig aufgequollener Nerv, der eben nur in der Nacht Schmerzen verursacht) und mein späterer Neurochirurg sehr überrascht, dass ich noch so fröhlich vor ihm stand. 2 Wochen später entfernte er meinen Peiniger und 4 Tage drauf entließ er mich in mein neues Leben! Im Jahr drauf lernte ich meinen heutigen Mann kennen und feierte meinen 40. Geburtstag als wäre es mein erster. Das Aufstehen in der Früh ist seit alldem meine größte Freude jeden Tag, schließlich hätte die Geschichte auch anders ausgehen können.

© Sabine Hoffmann