Die Wendeltreppe

Mir kommt es oftmals so vor als wäre das Leben so wie eine Wendeltreppe nach oben. Da gehe ich Schritt für Schritt mal langsam mal schneller. Dann und wann gucke ich über das Treppengeländer abwärts und wundere mich wie hoch ich schon bin.

Doch noch was fällt mir auf, die Begebenheiten die sich wiederholen.

Der dumme Spruch, der mich heute geärgert hat, den sagte schon mal die komische alte Frau vor 10 Jahren zu mir.

Mein ersten Jobs hier in Wien war Zeitarbeiter als LKW-Fahrer. Da gab, es eine Firma die bauten die Verschalungen für Wohnungen. Darunter auch viele im 22. Bezirk. Gleich da hinter der UNO-City. Es war faszinierend für mich dort hin zu liefern. Rauf die Paletten mit dem Dämmmaterial. Dann bei der einen besonderen Baustelle, stand ich mal ganz oben so im 10. Stockwerk und sah runter. Ganz nahe am Rand stand ich und der Wind blies mir entgegen. Später dann, nach so ca. 10 Jahren wohnte genau in der Wohnung, die da gebaut wurde ein sehr guter Freund von mir während meiner Alleinerzieherelternschaft.

Dann dieses Kinderlächeln, das mich freudig begrüßt, von einem Kindergartenkind auf dem Weg zum Kindergarten, an der Hand der Mama. Dieses gleiche Lächeln hatte ich oft, damals an der Hand meiner Mutter.

Der Autobuslenker wartet einen Moment und ich erwische den Bus noch und komme rechtzeitig zu meinem Termin mit dem Herrn Magister im ersten Bezirk. Blick runter über die Lebenswendeltreppe, da blieb doch dieser Fernlaster stehen, damals vor vielen Jahren und ließ mich über die Straße gehen. Drüben lief mir dann Caro in die Arme. Diese Freundschaft besteht heute noch.

Musik ist auch so ein Zugang zu den Stufen meiner Lebenswendeltreppe. Da spiele ich so ganz nebenbei ein Lied aus der Zeit, als ich daran dachte nach Peru auszuwandern. Schon habe ich alles wieder im Kopf, alle Gedanken, alle Gefühle alle Gerüche alle Sorgen und alle Ausreden wieso ich es nicht getan habe.

Als meine Ex-Frau und ich diese Wohnung wo ich immer noch wohne besichtigten, war es an diesem Tag die 3. Unsere Tochter war damals 2 Jahre alt und schon müde. Als wir ins Wohnzimmer der Wohnung kamen, setzte sich die Kleine einfach nieder. Das war sie. Waren wir uns schnell einig. Später dann Jahre danach als meine Tochter ihren Hund, in diese unsere Wohnung brachte, er legte sich exakt an die gleiche Stelle nieder und seufzte. Als ich heute Morgen genau an dieser Stelle stand, fiel mir diese Geschichte ein.

Das Leben wie eine Wendeltreppe nach oben. Der Blick über das Geländer mag auch oft mal in eine unangenehme Erinnerung führen.

Es heißt ja, das in den letzten Sekunden seines Lebens noch mal das ganze Leben vor einem abläuft, ich denke mir, so aufregend war meines ja gar nicht und das würde schon mehr als ein paar Sekunden dauern.

Wie lange sind dann die Sekunden bei den Menschen, die echt total viel erlebt haben?

© Sam_Edring