Letzte Woche!

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Letzte Woche! | story.one

Samstag letzte Woche war ich auf Besuch. Bei meiner Tochter und ihrer Freundin. Bei Snoopy und Luzzi ihren beiden Hunden. Zu den Osterfeiertagen ist ja meine Tochter ausgezogen. Offiziell sozusagen, denn die meiste Zeit war sie so und so schon eher bei Freundin als bei mir zu Hause.

Das zu Hause zu sagen fiel ihr ja auch schon etwas schwer in letzter Zeit. Ich musste dann immer lächeln und sagte dann immer nonchalant, Schatz zu Hause ist kein Ort, es ist ein Gefühl. Das du dich bei deiner Freundin eher zu Hause fühlst als bei deinem Papa ist doch ganz normal. Ganz normal. Ja wenn ich dann alleine da sitze beim Fenster und eine rauche und sie sich wiedermal 2 Wochen nicht gemeldet hat, ja dann denke ich mir öfter mal .........

Doch da an diesem Samstag, bei meinem Besuch, es war einfach schön. Es war eine so tolle Atmosphäre in der Wohnung der beiden Mädels. Die Hunde waren beide mega entspannt. Auch meine Tochter gab mir das Gefühl, das sie entspannt ist. Es war so schön das zu spüren, denn ich habe meine Tochter schon in Situationen erlebt, wo ihr Menschen, die sie liebte, das Herz herausgerissen haben. Sie vertraut den Menschen trotzdem, gibt ihnen wieder und wieder eine Chance. Ich bin froh, das ich ihr irgendwie, genau weiß ich es ja nicht wie ich es gemacht habe, doch irgendwie ist es mir gelungen das Urvertrauen das sie vom ersten Moment hatte nicht zu zerstören. Ich liebe es auch, ja trotzdem ich mich dann am Fenster mal öfter alleine fühle, liebe ich es zu wissen sie meldet sich deshalb nicht weil es ihr total gut geht. Das ist ein schönes Gefühl. Auch wenn mir schön oft Leute erzählt haben, das ihre Kinder ja mindestens 1 mal am Tag anrufen. Mindestens. Meine Tochter eben nicht. Sie lebt ihr Leben, in diesem habe ich meinen Platz das ist mir schon klar, doch es ist nicht ein Platz, an dem sie täglich das Gefühl hat sich mit einem Rapport zu melden.

Wir saßen beisammen und redeten. Dann gingen wir los rüber zum Hundespielplatz der ja eh nur 10 Minuten weit weg ist. Ja,ja der Papa muss motiviert werden, damit er marschiert. Dann die riesig große Hundezone, wo die beiden Hunde herumliefen und Steinen hinterher stürmten, die ich ins Wasser warf. Wir haben uns lange unterhalten über alle möglichen Dinge. Es war ein schöner Nachmittag und die Zeit verging im Flug. Als ich mich dann verabschiedet habe und am Heimweg war, zuckte plötzlich ein Gedanke durch meinen Kopf. Sie wird nicht wieder zurückkommen. Dann dachte ich mir, das ist schön. Dann dachte ich mir, echt jetzt! Dann dachte ich mir, gut kannst jetzt dein Leben voll Leben! Dann dachte ich mir, ich habe sie zu wenig in den Arm genommen! Dann dachte ich mir, hör auf zu denken, deine Tochter ist glücklich. Ich zündete mir eine Zigarette an, hier am Fenster, lächelte und spürte das Gefühl von Heimat in meinem Herzen und da war das Lächeln meiner Tochter klar und deutlich zu spüren.

P.S. vor 10 Minuten hat sie mich angerufen. Papa wie geht das ...........

© Sam_Edring 24.05.2019