Meine Denkermulde

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Meine Denkermulde | story.one

Ja schon früh habe ich mich mit dem über alles nachdenken abgestrampelt. Als 9-jähriger, fand ich dann einen entsprechenden Platz, den ich fortan aufsuchte, wenn es etwas richtig wichtiges zu bedanken gab.

Jetzt aber, was war dem 9 Jahre alten Sam denn wichtig genug um sich in seine Denkermulde zurückzuziehen?

Erstmal sollte ich ungefähr beschreiben, wo sie war diese Erdmulde. Da ich in der Nähe von einem Ziegelwerk aufgewachsen bin, gab es da diese Lehmgrube. Die wurde immer frisch ausgebaggert. Da blieb dann durch einen mir unbekannten Umstand eine Insel übrig. Also eine Berghalbinsel. Sie hatte nur eine Verbindung zur Straße und dann ging es rund um diesen kleinen Berg tief runter, in die ausgebaggerte Sandlandschaft.

Da gab es den tiefen kristallklaren See und dahinter gab es den größeren, jedoch nicht so tiefen See, dieser diente auch als Fischersee für die Arbeiter zur Entspannung, wenn diese es wollten.

Ja und da oben auf dem Berg, umgeben von Grundwasser und Fischerteich, gab es eine Mulde. Wenn ich mich da reinlegte dann passte das perfekt der Kopf am Rand und die Füße am anderen Rand. Bei Sonnenschein und im Sommer der totale Spaß klar musste darauf geachtet werden das einem die Arbeiter nicht entdeckten.

Ja da lag ich dann schon mal, Mittags an Wochenenden, oder Abends bei Vollmond an einem Freitag.

Es gab ja so einiges zu ergründen als heranwachsender Kerl!

"Du bist aber ein süßer Kerl!"

Ja so nannte mich die Andrea. Die Neue da in der Hauptschule. Das war denn mit 12 Jahren in der 2 Hauptschule.

Wollte ich ein süßer Kerl sein? Was bedeutet das überhaupt? Das hat noch nie jemand zu mir gesagt. Der Karl hat mal gesagt, ich sei ein blöder Affe. Der Manfred meinte ich sein ein kleiner Witzbold. Die Gertrude nannte mich mal einen flinken Jungen.

Doch süß, nein das sagte niemand zu mir. Woher wusste denn die Andrea überhaupt das ich süß sei? Hat sie mich gekostet?

Na ja letzten Sommer im Camp, habe ich im Zelt mit dem Anton geschlafen. Doch da war ja die Andrea noch nicht in unserer Klasse.

Seltsam auf jeden Fall.

Ich werde sie morgen fragen, das beschloss ich da oben in meiner Denkermulde.

Am nächsten Tag war ich sichtlich nervös, denn die Andrea war neu in der Klasse, sie war um 1 Jahr älter als wir anderen und sie war verdammt hübsch.

Sie trug ihre schwarzen Haare bis zu den Schultern. Dann lächelte sie oft und so herzlich und dann funkeln ihre Augen, wie so mancher Stern am Abend, wenn ich sie beobachte oben in meiner Denkermulde.

Ohne lange rumzureden fragte ich die Andrea: "Was hast du damit gemeint das ich ein süßer Kerl sei?"

Wir standen am Pausenhof, sie sah mich an und lächelte.

"Das ich dich mag halt!" war ihre Antwort.

"Weil ich süß bin, magst mich kosten oder wie?" die Stirn gerunzelt.

"Siehst, genau das finde ich süß, dass du dir über so was Gedanken machst. " sie lächelte weiter.

"Ich hab mir heute von der Bäckerei ein Nusskipferl mitgenommen, magst nicht lieber davon abbeißen?" ich hielt es Andrea hin.

"Gern!"

Lang ist's her!

© Sam_Edring