Sonntag im Mai - es regnete!

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Sonntag im Mai - es regnete! | story.one

Es war so ein Tag wie heute, damals der Sonntag im Mai. Es regnete und ich spielte mit meinem Lieblingsspielzeug zu dem Zeitpunkt. Es war ein grünes Rennauto. Matchbox! Ich saß am Boden und ließ es immer wieder mit voller Wucht an die Mauer krachen. Ich dachte mit Schrecken an den Montag. Schultag. Der Direktor. Er hatte die Angewohnheit sich hinter einen Schüler zu stellen und ihn dann solange er da stand, mit dessen Ohren zu spielen daran zu zerren, zu drücken, hin und her zu werken. Es war ein schreckliches Gefühl.

Es tat nicht weh, doch drinnen im Herzen tat es weh. Letzte Woche am Mittwoch, war ich dran. Es war schrecklich. Krach, das Matchboxauto landete in diesem Moment wieder mal an der Mauer. Verdammte Schule. Es war im Jahr der ersten Mondlandung. 1969 als ich da in meinem Zimmer saß. Traurig und gedemütigt.

Ich hatte Angst, vor diesem Montag. Dann spürte ich eine Hand auf meiner Schulter, eine Hand die alles Herzleid in der selben Sekunde auslöschen konnte. Ich sah hoch in die blauen Augen meiner Mutter. Ich sah ihr Lächeln auf den Lippen und hörte Ihre Worte. Mein Schatz, was auch immer dich bedrückt, es kann niemals so schlimm sein, dass du mir nicht mehr vertraust.

Ich schmiegte mich in die Arme meiner Mutter. Wir saßen lange auf meinem Bett, ich auf ihrem Schoss mein Ohr an ihrer Brust ihrem Herzen. Ich erzählte ihr was mich so gedemütigt hat. Was mein Herz so schwer machte, dass ich fast das ganze Wochenende im Zimmer verbracht hatte. Sie sagte nicht viel, sie drückte mich fest an sich. Immer wieder ganz fest. Später es war schon dunkel draußen, an diesem Abend im Mai, es regnete nicht mehr. Sagte meine Mutter zu mir

Danke das ich deine Mutter sei darf. Am nächsten Morgen begleitete mich meine Mutter in die Schule. Sie ging hoch mit mir, meine Schritte wurden langsamer als wir immer näher zur Direktion kamen. Die Tür stand offen, es waren nicht nur der Direktor in der Direktion, sondern auch einige der Lehrer. Meine Mutter ließ in all diesen Momenten niemals meine Hand los, stellte sich gerade hin vor dem Direktor, sah ihn für einen kurzen Moment an. Ihre blauen Augen, sie funkelten in diesem Moment, wie die Augen einer Tigerin wie die Augen einer Mutter deren Kind etwas zu leide getan wurde.

Sie packte den Direktor am Ohr, ein schneller Griff ihrer linken Hand, zog ihn ganz nahe zu sich heran und sagte zu ihm: Niemals wieder greifen sie meinen Sohn an. NIEMALS WIEDER! Ließ den Direktor los, drehte sich um und wir verließen eine Gruppe von sichtlich schockierten Menschen.

Ich sah hoch zu meiner Mutter. Als wir unten angekommen waren vor meinem Klassenzimmer ging meine Mutter vor mir in die Hocke und küsste mich auf die Wange. Es gab keine Wunde mehr, es gab keine Trauer oder Demütigung mehr in meiner Seele oder meinem Herzen. Ich merkte das sie Respekt vor mir hatten von diesem Tag an die Lehrer und der Direktor. Respekt den ich dir verdanke. Mutter meiner Mutter die nicht viel redete, wenn es um Ungerechtigkeit ging, die einfach handelte. Danke!

© Sam_Edring 26.05.2019