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"Zaubertrank" aus dem Amazonas Regenwald

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"Zaubertrank" aus dem Amazonas Regenwald | story.one

Bei 35° Celsius und gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit betraten wir die Landebahn am Flughafen in Manaus. Die Stadt ist nur per Flugzeug oder Boot erreichbar und liegt Mitten im brasilianischen Amazonas Regenwald am gleichnamigen, wasserreichsten Fluss der Welt.

Mein Freund Kurt und ich waren auf einem 2-monatigen Roundtrip durch Brasilien. Wir wollten das „wahre“ Brasilien kennenlernen, abseits der touristischen Pfade, weit entfernt von Carnaval, Samba und Fußball. Deshalb entschieden wir uns mittels Couchsurfing bei lokalen Bewohnern zu schlafen.

Unser Gastgeber in Manaus hieß „Johann“. Knapp 45 Minuten fuhren wir mit seinem Pick up über holprige Straßen mitten in den dunklen Urwald. Erst am nächsten Morgen als die Sonne aufging, realisierten wir, wo wir hier gelandet waren. Das Haus verfügte über kein Internet, kein fließendes Wasser und Strom nur durch einen Generator. Die Lage jedoch war unbeschreiblich schön. Mitten im Urwald zwischen Bäumen, Sträuchern und Pflanzen, die wir noch nie gesehen hatten mit Ausblick direkt auf den Rio Negro, einem Seitenarm des berühmten Amazonas. Johann und seine Familie lebten von Landwirtschaft, dem Handel mit den geernteten Früchten und Gemüse. Nebenbei betrieben sie eine Jet Ski Schule am Rio Negro.

Noch heute erinnere ich mich wie beeindruckt ich von der Natur, den Farben und von Johanns Wissen über die dortigen Pflanzen, Früchte und Kräuter war. Auch die Sonnenuntergänge und das Nacktbaden zu Mitternacht im Fluss werde ich nie vergessen! Pinkeln im Wasser strengstens verboten! Du weißt bestimmt warum oder!? 😉

Unser Aufenthalt in Manaus war für 5 Tage geplant. Danach wollten wir weiter mit dem Boot nach Belem. Dieser Plan geriet allerdings bereits am dritten Tag ins Wanken. Kurt und ich wurden beide krank. Hohes Fieber, Gliederschmerzen und sicherlich keine Kraft um mit unseren Tramper-Rucksäcken eine 5 tägige Bootsreise über den Amazonas anzutreten.

„Wo gibt es hier eine Apotheke?“ fragte ich Johanns Mutter. Sie drehte sich um, breitete ihre Arme aus und sagte zu mir: „Gringo, der Wald und die Natur sind hier unsere Apotheke und geben uns alles was wir brauchen!“ Eine kurze Weile später reichte sie uns eine Tasse, aus der ein übelriechendes Getränk dampfte.

Kurz darauf schliefen wir in unseren Hängematten mit Blick auf den Rio Negro ein. Die Nächte im Amazonas Regenwald sind geprägt von Geräuschen von Tieren, Summen und Brummen von Insekten, Knarren von Ästen und vieles mehr. Von all dem bekamen wir in dieser Nacht nichts mit.

Am nächsten Tag wachten wir auf und waren beide wieder 100% fit, als wären wir nie krank gewesen.

Zwei Tage später stiegen wir auf das Boot und machten uns zusammen mit 350 anderen auf eine 5 tägige Reise über den Amazonas Fluss nach Belem. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Die Erinnerung an dieses Erlebnis weckt mich oft aus der konstanten Reizüberflutung durch Marketing und Social Media, der wir in unserer Welt ständig ausgesetzt sind.

© samba_ursl 13.12.2019

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