Zwei Gringos "alleine" am Amazonas

Wie ihr aus meiner Story „Zaubertrank aus dem Amazonas“ wisst, planten Kurt und ich per Schiff eine 5-tägige Reise den mächtigen Amazonas Fluss entlang bis nach Belem.

Nachdem wir unsere Krankheit überstanden hatten, machten wir uns auf den Weg ins Zentrum um die Tickets für die Bootsfahrt zu besorgen. Gegenüber von dem großen Markt vor dem Hafen wurden wir schnell fündig. Ein sehr redseliger aber sympathischer Händler bat uns zu einem speziellen „Gringo-Bonus Preis“ die gewünschten Fahrkarten an. Voller Vorfreude machten wir uns noch auf den Weg Bier, Wasser und Knabbereien als Proviant zu besorgen.

Das Erwachen kam dann als uns der Kontrolleur am Hafen den Zugang verweigerte. Unsere Tickets seien nicht gültig. Als wir den Händler zur Rede stellten deutete er uns ihm zu folgen und sagte nur: „Kein Problem, Gringos!“ Schneller als wir antworten konnten, lud er uns inklusive unseres Gepäcks in ein kleines Motorboot ein.

Zielstrebig steuerte er auf das große Boot im Hafen zu und legte auf der Fluss zugewandten Seite an. Er warf eine Strickleiter hoch an Bord des großen Schiffs und sagte mit einem Lächeln: „Das ist der VIP Zugang speziell für euch!! Willkommen an Board und gute Reise!“

Später erfuhren wir, dass unsere Tickets weniger als die Hälfte des regulären Preises kosteten. Da das Boot aber ohnehin nie gänzlich voll war, wurde das toleriert.

Je näher die Ankunftszeit kam, desto mehr zweifelten wir allerdings daran, dass es nicht genug Passagiere gab. Unsere Hängematten wurden aufgefädelt und wir lagen mit ca. 350 Leuten auf 3 Etagen wie Sardinen in der Dose!

An Gesprächspartner für die nächsten Tage sollte es also nicht mangeln. Als die einzigen Ausländer an Bord waren wir die Attraktion auf der Reise. Jeder wollte uns kennenlernen, mit uns plaudern und mit uns ein Bier oder einen Cachaça trinken!

Die hygienischen Zustände am Boot muss ich wohl bei 350 Menschen und ganzen 4 WCs und 3 Duschen nicht besonders erwähnen. Gekocht wurde mit Flusswasser, was dazu führte, dass wir uns tatsächlich nur von Bier, Cachaça und trockenem Brot für die restlichen Tage ernährten. Kurt wirft mir heute noch vor, dass ich am zweiten Tag bereits unseren Vorrat an Keksen und Crackern aufgegessen hatte.

Wir trafen einen Herrn im Trikot der österreichischen Nationalmannschaft, der nicht einmal wusste, dass es Österreich als Land gab; wurden von Schwärmen von Insekten in den Nächten geplagt; wurden von einer Horde Affen, die das Boot stürmten, bedroht; fanden tote Insekten an Bord, die größer waren als uns bekannte Vögel; tanzten mitten in der Nacht unter dem freien Himmel des Amazonas Samba. Besonders tief berührte uns die Geschichte eines Herrn, der nach 40(!) Jahren endlich seinen Sohn in Belem treffen wollte und dann selbst in seiner Hängematte für immer einschlief…

Wir überlebten, zwar mit Leber und Hygiene in kritischem Zustand, jedoch um einige wertvolle Erfahrungen reicher. Das sollte auch nicht das Ende unseres Abenteuers bleiben…

© samba_ursl