Ich hab dich kennen gelernt

2017 habe ich endlich mal umgesetzt von was ich zuvor lange nur geredet habe. Was ich ja am liebsten mache von meinen Plänen reden. Doch da stand ich während eines Spaziergangs plötzlich vor der Tür da stand drauf Hospiz.

Ich wollte im ersten Moment einfach wieder weiter gehen, doch dann die Stimme in mir, Hallo wolltest du nicht schon lange immer in einem Altersheim vorlesen, den Menschen Freude bereiten. Dieser Stimme konnte ich nicht widersprechen. Ich wählte die Nummer auf dem Schild und wurde von der Leiterin der Ehrenamtlichen mit großer Freude empfangen. Ja so einfach fing es an. Da im Hospiz. Ich schloss mich der Aktivität am Freitag an wo wir in einer Gruppe das aktuelle der Woche besprechen, Bezirksgerichte vorlesen und dann und wann auch schon mal aus einem Krimi vorlesen.

Es gibt auch viele Möglichkeiten der Ausflüge. Ja und da habe ich Dich damals in deinem Rollstuhl geschoben. Wir haben uns unterhalten. Woher du kamst. Über deine Kinder. Über deinen Mann. Über eure Reisen. Darüber das du traurig bist weil er schon lange vor dir gegangen ist. Zwischendurch hast du gefragt ob du mir nicht zu schwer bist, zu anstrengend am Ende das ich Dich in deinem Rollstuhl schiebe. Ich habe mich vorgebeugt dir ins Gesicht gesehen und gemeint, schwer? Du? Nein du bist leicht wie ein Täubchen. Ein sanftes Lächeln strich über Dein Gesicht. Ab diesem Tag warst Du mein Täubchen. So nannte ich dich dann immer. Es war immer schön zu sehen, das du dann gelächelt hast. Bist in deinem Rollstuhl am Tisch gesessen, hast getrunken und dich umgesehen.

Bei jeder Freitagsrunde warst du dabei, gesprochen hast du nur ganz ganz selten. An einem Freitag es war vor 3 Wochen habe ich dich wieder mal durch das Hospiz bringen dürfen, zu unserer Leserunde. Du konntest kaum atmen an diesem Tag. Es ging dir sichtlich schlecht. Es ging dir bestimmt besch....... an diesem Tag. Da beugte ich mich zu dir runter, fragte nach deinem Mann, erzählte dir, das ich mir vorstelle wie er Drüben, schon tausende Plätze besucht hat, wohin er mit dir dann reisen wird, wenn du mal da bist. Das er sich mit Sicherheit auf dich freut und schon auf eurer Bank im Park wartet und verliebt nach dir Ausschau hält.

Du hast bei diesen Gedanken gelächelt. Konntest den Kopf nicht heben oder etwas sagen. Du warst müde. Doch ich habe es deutlich gesehen. Du hast gelächelt. Ich sehe es gerade jetzt wo ich dies hier schreibe wieder, dein Lächeln. Wie es meine Art ist redete ich viel und von tausend Dingen. Es war ein regnerischer Freitag Vormittag. Als ich mich dann nach der Lese Runde von dir verabschiedet habe, hast Du meine Hand berührt. Ganz leicht, ganz so als ob ein Täubchen auf meiner Hand landen würde. Am Dienstag hatten wir dann wieder ein Treffen, der Ehrenamtlichen.

Ich habe dich nicht gesehen an diesem Tag. Habe nach dir gefragt, nach meinem Täubchen. Sie sagten mir, dass Du am Wochenende im Spital gestorben bist. Nein! Sagte ich. Spürte Deine Hand. Mein Täubchen hat sich erhoben und ist nach Hause geflogen!

© Samedring