Kinder werden zu schnell groß!

Liegt zitternd in der meinen die Hand es kleinen Mädchens, sie will hoch hinauf auf den Balken. Sie will es heute schaffen. Sie will die Angst überwinden, einen Schritt und dann den nächsten. Die Hand mal zittert mal aufgeregt sich dreht und bewegt. Die Schuhe an den Füßen, sich mal links mal rechts über den Balken bewegen.

Darin ihre Füße ich weiß es nur zu gut, ich hab sie schon tausendmal eingerieben mit der Creme damit die Haut auch ja fein genug ist.

Dann sehe ich hoch, ihr Kinn ist angespannt, und nach vorne gerichtet in die Richtung wo das Ziel schon naht.

Es sind nur 4 Meter insgesamt doch davon balanciert sie mit Geschick jeden Tag mehr und mehr Zentimeter.

Gestern noch stürzte sie in die Arme des Vaters, nach kaum 10 Schritte. In meine Arme. Doch heute hat sie den Mut, sie hat die Geduld sie hat die Sehnsucht und will es schaffen. Schatz noch genau drei Schritte, ein breites Lachen auf ihren Lippen, ja ja ruft sie und hüpft in des Vaters Arme.

Ich hab es endlich geschafft, ich hab es geschafft.

Das ja auch schon eine Weile her, denke ich mir und lege das Bild meiner Tochter aus den Händen.

Stille am Raucherfenster beobachte ich die Welt:

Ein Mädchen still und hold sich an den Kinderwagen drängt, der Wind über ihren Kopf nun bläst, kalt und stark.

Die Finger schon ganz klamm, wäre doch besser gewesen die Handschuhe anzuziehen. Ach Gott jetzt fliegt auch noch der Schal davon, der auf dem Kinderwagen lag. Eins, zwei und drei Schritte hinter her, da hat sie ihn gleich wieder gefangen.

Wo ist denn nur die Oma hin, die Kleine schaut immer wieder in die eine Richtung. Sie ging zurück und sie kann sie nicht mehr sehen.

Die Tränen sie kullern über die kalten Wangen. Da bleibt ein freundlicher Mann stehen, er fragt sie was, ich kann es nicht verstehen, bin zu weit weg hier an meinem Raucher Fenster. Doch die Kleine zeigt dem Mann die Richtung, da drüben ist sie hin gegangen, wo hin in der Kindergarten am Ende, scheint der Mann wohl zu fragen und zeigt jetzt auch in die Richtung.

Ja, ja. Das Mädchen nickt und klammert sich an den Kinderwagen der vollgepackt mit all den Sachen, die sie so brauche auf dem Weg von zu Hause zu der Oma und zurück.

Da da kommt sie schon ruft das Kind. Das Mädchen zeigt in die Richtung wo sie erkannt hat die Oma, mit dem grünen Frosch.

Der Mann seine schwere Einkaufstasche wieder hochhebt und sich verabschiedet, dann ist ja alles gut. Ja, gibt das Mädchen erfüllt von der Erleichterung zu erkennen.

Die Oma schon beim Wagen, hast Angst gehabt mein kleiner Schatz?

Ja es war plötzlich so eiskalt und der doofe Wind.

Spricht sie ganz aufgeregt.

Komm her mein Schatz lass dich in den Arm nehmen, sagt die Oma geschwind.

Oft wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich Geschichten die die Welt mir erzählt.

Nicht immer bleiben sie mir so im Kopf wie diese beiden.

Bestimmt auch weil das einlassen auf die Geschichten nicht so leicht ist. Es sind ja da die inneren Stimmen die einem vorantreiben wollen. Dahin wo es weiter und weiter geht.

Doch dann passieren Momente wie diese. Danke!

© Samedring