Palmsonntag vor vielen Jahren!

Seit Freitag war meine Frau in der Psychiatrie. Sie war losgefahren ins AKH und wollte sich wegen ihrer Rückenschmerzen untersuchen lassen. Dann Abends kam den Anruf aus der Psychiatrie, SMZOst.

Sie weinte am Telefon. Sie wollte zu uns. Zu mir und unserem Kind. Romana fehlte ihr. Sie weinte am Telefon. Ich hasste es, wenn meine Frau weint.

Ich sprach mit dem Arzt.

"Wann kann ich meine Frau besuchen?"

"Sonntag, am besten Sonntag!" war die Antwort des Arztes.

Osterzeit war, für meine Frau so wie sie mir immer erzählte, die schrecklichste Zeit.

Ich packte den Babyrucksack. Windeln, Fläschchen sauber, Fertig Baby Milch, Spielzeug, Stoffwindel zum abwischen. Trockentücher, feucht Babytücher.

Dann holte ich meinen Engel aus dem Gitterbettchen. Sie maunzte etwas rum.

"Ja mein Schatz, jetzt besuchen wir die Mama." es war irgendwie gut, das mein Engelchen erst gerade mal 42 Tage alt war.

Die Babytrage montiert, das Engelchen reingesetzt ging es los, zur Bushaltestelle, rein in den Bus der gleich, welch Glück, nach 3 Minuten Wartezeit kam. Rüber ins SMZOst. Noch heute, wenn ich diese Strecke fahre, denke ich an diese bedrückenden Momente in meinem Leben.

Angekommen in der Psychiatrie, im zweiten Stockwerk, ganz hinten im Spital, wartete ich auf den Arzt. Er entschied ob ich und meine Tochter die Mama besuchen dürfen.

Einer meiner Lieblings Filme aus meiner Jugend "Einer flog übers Kuckucksnest"

Es setzte sich lautlos fast jemand neben uns, er beugte sich verschwörerisch zu mir rüber. Flüsterte:"Aufpassen ich bin von der CIA"

Ich sah ihn an. Lächelte. Hoffte das der Arzt bald kommen würde.

Romana, in der Babytrage vor mir, sah manchmal verträumt hoch. Normalerweise würde sie jetzt bestimmt weinen. Schreien aus Hunger vielleicht. Doch jetzt kam kein Laut von ihr. Ein Schmatzen manchmal.

"Herr Edring!" hörte ich den Arzt durch den Gang rufen.

"Ja hier!" meldete ich mich, stand auf ging rüber zum jungen Arzt. Wir saßen dann im Arztzimmer. Die Oberärztin, der junge Arzt und ich, mit meinem Engel.

"Ihre Frau hat eine bipolare affektive Störung!"

Begann die Frau Oberarzt das Gespräch. Völlig unberührt. Wie konnte sie so einfach meine Frau für verrückt erklären?

"Sie hat Rückenschmerzen, haben sie ihr etwas gegen die Rückenschmerzen gegeben?"

"Erst sollten die Psychopharmaka wirken. Dann behandeln wir die Rückenschmerzen!" der Befehlston von Frau ober gescheit Oberarzt nervte.

Ich fragte den jungen Arzt.

"Ist meine Frau gefährlich, als würde sie mir oder dem Kind etwas antun?"

"Nein" war seine Antwort.

"Gut dann nehme ich sie mit, wann kann ich sie hier rausholen?" jetzt sprach ich mit unberührter Stimmlage. Auch ich konnte das.

"Morgen!"

"Dann komme ich morgen wieder!"

Auf dem Weg raus, begegnete uns meine Frau.

"Mir tut mein Rücken weh, bitte hol mich hier raus. Die helfen mir nicht."

"Ja Morgen gegen 12 Uhr holen wir dich raus."

Sie drehte sich um und tanzte zurück auf ihr Zimmer.

Ohne Romana an zusehen. Es änderte viel in mir diese Zeit.

© Samedring