Ein Kater landet immer auf seinen Füßen

Mein kleiner Kater Diego hat es gut! Er schläft und schnurrt ununterbrochen, muss sich nicht um sein Essen kümmern und behält sein Ziel – meistens seine kleine Stoffmaus Kurti – aufmerksam im Auge.

Vielleicht sollte ich mehr von meinem kleinen Kater lernen, immerhin strahlt er für mich eine Ruhe und Zufriedenheit aus, eine Ruhe und Zufriedenheit, die ich auch verstärkt wieder bei mir feststellen kann. Was kann ich also tun, um so glücklich und zufrieden wie mein Kater zu werden?

Die Antwort auf meine Frage ist vermutlich sehr einfach und hoffentlich in 2500 Zeichen zu erläutern. Nun, Diego ist – unter ungewöhnlichen Umständen – in mein Leben gestolpert, das alleine nenne ich schon mal einen ungemeinen Glücksfall. Er zeigt mir, wie wichtig für ihn Streicheleinheiten für Seele und Körper sind, wie häufig er aber auch, wenn ihm etwas nicht passt, seine Krallen ausfahren darf. So als ob er sagen würde: „Hey, Sandra, das kannst du doch auch, trau dich doch endlich mal!“

Eine weitere Lektion, die ich von ihm gelernt habe, ist es weniger Hektik in meinen Alltag zu bringen, und mich nicht von den kleinen Dingen des Lebens stressen zu lassen. Manchmal ist das als Mensch nämlich total schwer! Wenn ihm etwas zu viel wird, zieht er sich auch mal zurück oder chillt in seiner Hängematte – das sollte ich auch viel öfter tun! Apropos Hektik: die spürt er in der Früh so gar nicht, lieber schaut er mich immer treuherzig an und will mit mir kuscheln oder spielen, das Fressen verlegt er dann meistens auf später…

Ich mag Diegos „Kuschelanfälle“ sehr, er wuselt dann manchmal laut schnurrend zwischen meinen Beinen herum, bis ich ihn endlich auf meinen Schoß lege. Er fordert einfach gezielt seine Streicheleinheiten und ist dabei nicht so zurückhaltend wie ich. Zugegeben, es ist nicht einfach, diese einzufordernd, wenn man gerade in keiner Beziehung lebt. Aber mein Kater erinnert mich wieder daran, wie schön es ist eine feste Beziehung zu leben.

Diego schläft auch ziemlich viel – allerdings hat er es meiner Meinung nach geschafft, das gesunde Maß zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit zu finden. Darum beneide ich ihn wirklich. Oft liegt er ganz entspannt am Fensterbrett, nur um im nächsten Augenblick schon Richtung Küche zu starten, weil ich mich dorthin bewege. Mal sehen, ob dort etwas für ihn dabei ist. Oder: Frauchen geht die Stiegen hinauf? Da könnte ja etwas Interessantes passieren, da geht er gleich mal mit.

Am aller, aller schönsten für mich: Diego nimmt die Liebe, die ich ihm schenke, einfach an, weil er sich sicher ist, dass er sie auch 100% verdient. Das ist vermutlich die wichtigste Lektion, die ich in den bisherigen drei Monaten mit ihm lernen durfte!

© Sandra Berger