Die Alpbach Symphonie – Eine Analyse

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Die Alpbach Symphonie – Eine Analyse | story.one

Die Entstehungszeit einer klassischen Alpbach Symphonie reicht zurück bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts – genauer gesagt 1945 –, als sich nach dem 2. Weltkrieg KomponistInnen großer Ideen im idyllischen Bergdorf trafen und kritische Töne schlugen.

Die Form dieser Symphonie gleicht einer typischen Haydn-, Mozart oder Beethovensymphonie. Auch die Tonartenfolge wird wie in der klassischen Symphonie meist streng gehandhabt. Jede klassische Symphonie ist auf einer Grundtonart komponiert. Die diesjährige Grundtonart der Alpbach Symphonie heißt „Freiheit und Sicherheit“.

Mit einem spritzigen Allegro wird das Hauptthema in der Ouvertüre eingeführt, wobei die thematisch-motivische Arbeit in einer harmonischen Dur-Tonart verfasst ist und im ersten Satz die geradezu vorbildliche Seminarform nicht verlässt. Dabei wird die Hauptmelodie von den SolistInnen – wenn auch in unterschiedlichen Variationen – vorgeführt und von den StipendiatInnen des Orchesters nachgespielt. Obwohl diese sehr beliebte Seminarform eine intensive Kontrastierung vorsieht, die der Eintönigkeit entgegenwirken sollte, ist zu beobachten, wie ein Motiv durch alle Stimmen der MusikerInnen wandert und schließlich in vielen Fällen einem Scherzo nahekommt.

Nichtsdestotrotz kann im zweiten Satz – auch wenn langsam –das Adagio die Dominante erreichen und eine Form einführen, die im Fachjargon „Panel Discussion“ oder „Breakout Session“ genannt wird. Dieser Satz wird, wie in allen Symphonien, langsam gehalten und lässt die HöhrerInnen über die Grundtonart zunächst im Unklaren. Die melodieführenden Instrumente teilen das Hauptthema auf und fügen neueharmonische und kontrapunktische Kombinationen zusammen. Dabei ist zu beobachten, wie sich manche MusikerInnen von einem vorwärtsdrängenden Allegro anstecken lassen und andere sich etwas schleppend nach einer Ballade oder einem Wiegenlied sehnen.

Nahezu überraschend wird der dritte Satz durch unregelmäßige Rhythmen und überraschende Dynamik-Unterschiede weitergeführt, wobei mehr die tanzende Komponente und weniger die ursprünglich aufklärenden Motive zum Vorschein kommen. Die Arbeit des Dirigenten ist an dieser Stelle bemerkenswert, denn eine strikte Metronomzahl ist von großer Bedeutung, damit der pulsierende Charakter des Satzes nicht verloren geht. Der lyrische Gesamtausdruck des Satzes ist jedoch positiv gestimmt und weist viele musikalische Paare auf, die sich in einem Zusammenspiel des "Spirit of Alpbach" komplementär ergänzen und auf Freiheit und Sicherheit hinarbeiten.

Schließlich dient das Finale der nahezu majestätischen Alpbach Symphonie als krönender Abschluss, wobei dieses Meisterwerk, welches ursprünglich als Ode an die Freude komponiert wurde, sich in einer kontroversen Rezeption wiederfindet.

© Sara Soltani