Little Miss Sunshine

"Das sieht aus, wie die Schuppen des Regenbogenfisches." Stimmt. Das bunt schimmernde Vordach erinnert an die Erzählung aus Kindheitstagen. Ziemlich hässlich eigentlich. Darunter eine typisch rote Fassade, auf der in blass-goldener Schrift "The Olympia Theatre" steht. Little Miss Sunshine läuft da gerade, stellen wir fest.

Mehr Aufmerksamkeit bekommt das Theater aber nicht. Denn auch wenn wir diesen Mädelstrip nach Dublin schon irgendwie als Kultururlaub sehen, interessiert uns doch vor allem die Pubkultur: Süffiges Guinness, mitreißende Live-Musik und freundliche, gut gelaunte Menschen.

Stunden später stecken wir auch schon wieder mittendrin und haben bereits einige Pints an Kultur intus, während wir in einem verwinkelten Pub auf der Suche nach Live-Musik sind. Eine kleine Bühne finden wir – doch die Musik fehlt.

"Ihr seid zu spät. Die Band war großartig!", schwärmt da ein lockiger Mann neben uns, dem unsere enttäuschten Blicke wohl nicht entgangen sind. Er stellt sich als Gabriel aus England vor. Ende dreißig wird er wohl sein und mir scheint, als genieße er das kulturelle Leben hier genauso wie wir. Während wir uns mit ihm unterhalten und er stolz sein Können in Italienisch und Deutsch zum Besten gibt, wird der Bühne auch schon wieder Leben eingehaucht: Ein Sänger mit Gitarre, schwer verständlichem Akzent und Rhythmusinstrumenten an den Füßen bereitet sich vor. Begleitet wird er von einem unscheinbaren Dudelsackspieler, der nicht so wirkt, als würde er viel von sozialen Kontakten halten.

Die wenigen Menschen vor der Bühne lassen sich sofort auf die mitreißenden Töne ein. Die Musik wird immer schwungvoller, die Stimmung ausgelassener und wir hüpfen und singen und tun all das, was irgendwie nach tanzen aussieht. Gabriel hat dafür das bessere Gefühl und lehrt uns einige irische Dancemoves, die wir ihm begeistert nachmachen.

"Wie lang bist du noch im Urlaub?", wollen wir wissen.

"Ich bin nicht im Urlaub, sondern der Arbeit wegen hier. Ich bin Schauspieler", erklärt er. "Wir spielen morgen das letzte Mal in Dublin, im Olympia Theatre."

"Little Miss Sunshine?"

"Genau! Wollt ihr kommen? Ich kann euch Freikarten organisieren!" Wir strahlen ihn begeistert an – so wird aus Kultur also doch noch Kultur!

Nach einer ausführlichen Recherche zu unserem neuen Freund – "Er hat Frau, zwei Kinder und einen Wikipediaeintrag!" – kommt am nächsten Tag wie versprochen die Nachricht: Unsere Karten sind an der Kasse hinterlegt.

Ein paar flüssige Kulturgenüsse später sitzen wir also tatsächlich im Olympia Theatre. Wer hätte das gedacht! Das Musical ist richtig gut und noch viel lustiger als erwartet – vor allem, weil uns so manche Tanzschritte auf der Bühne aus gestriger Erinnerung sehr bekannt vorkommen …

Nach Ende der Aufführung kommt auch schon seine Nachricht: "Habt ihr die Show gesehen?"

"Natürlich! Wir warten an der Bar auf dich!"

Und der nächste Kulturausflug folgt sogleich ...

© Sara