Horror dank Halloween

Ich stehe vor fremden Wohnblöcken und folge kurz darauf einem Unbekannten in dessen Gemeinschafts-Keller. "Im Stiegenhaus bitte leise sein", lautet die Begrüßung. Eine gute Freundin und ihre neueste Beziehung folgen unauffällig. "Hallo, Davor! Und hallo seine Anna!", unten angekommen umarmen rote Köpfe, gehüllt in Zigarettenrauch, meine Freundin, während ich mich unbeholfen vorstelle.

Die Freunde vom Freund meiner besten Freundin, das sind die Leute, mit welchen ich heute den Abend verbringen werde. "Komm schon Sarah, sei einmal eine normale Jugendliche und geh wenigstens zu Halloween feiern", erinnere ich mich selbst an meinen Plan. Die anderen beginnen eine Runde Beer-Pong zu spielen, einstweilen ich versuche neue Bekanntschaften zu knüpfen.

Nach zwei Stunden mit einem Vodka-Orange für mich, und viel zu vielen alkoholischen Getränken für die anderen, ist es dann soweit. Das Vorglühen wird aufgelöst und mit Taxis fahren wir zur richtigen Party. Doch die Sitzplätze in den Autos reichen nicht für alle. Egal, Anna und Davor sind neben mir, die anderen kommen eben nach.

Als wir kurz darauf vor dem großen Event den Fahrer bezahlen, ist die Nacht schon eiskalt. Ich will in die Partyhalle gehen, einfach ins Warme fliehen, doch man hält mich auf. Mehrere Personen unserer Truppe müssen noch auf ihre Karte warten, denn das Mädchen, welches diese für sie aufbewahrt, hat es nicht in eines der Taxis geschafft. Abendkassa gibt es keine, genauso wenig wie sonstige wärmende Lokale in der Nähe.

Anna und Davor wollen ihre Freunde nicht alleine warten lassen, also bleibe auch ich im Freien. Kann ja nicht lange dauern, bis die anderen nachkommen. Es wird hin-und-her-telefoniert und weiter getrunken. Ich werde immer mehr zum Babysitter, bleibe alleine die Nüchterne und die Einzige mit warmer Jacke. Alle anderen haben maximal einen Pullover, viele nur ein Trägertop, an.

20 Minuten später, warten wir noch immer. Wo bleiben die? Nach weiterem gegenseitigen ins Handy lallen, stellt sich heraus, dass die anderen die Polizei holen mussten. Ein Bub hat seine Freundin geschlagen.

Auch bei uns eskaliert die Situation. Einem auf-die-Karte-wartenden-Mädchen wird, verstärkt durch Alkohol und Kälte, alles zu viel. Sie erleidet einen Nervenzusammenbruch. Ihr Bruder starb vor einem Jahr an Drogenmissbrauch, die Mutter ist depressiv, sie selbst wollte sich schon mehrmals das Leben nehmen. Auch jetzt hat sie Suizidgedanken.

Ich möchte Hilfe holen, doch es ist kein Sanitäter in der Nähe. Anna borgt dem Mädchen ihren Pullover und ich gebe ihr meine Eintrittskarte. Sie muss mit meiner Freundin hinein ins Warme, wo nüchterne Angestellte helfen können.

Nach einer weiteren Stunde in der Kälte, kommt endlich das Mädchen mit den restlichen Karten. Sie ist diejenige, die geschlagen wurde, deshalb kaum ansprechbar und ebenfalls komplett fertig mit den Nerven. Doch noch mehr Drama halte ich heute nicht mehr aus.

Erfroren lasse ich mich abholen.

© Sarah Schreiter