Es brennt!

Ich habe meinen Vater Anton S. interviewt. Er wurde 1961 als Ältester von sechs Kindern geboren und lebt in Adnet. Er ist mit seiner Familie auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat dort viel erlebt.

Am 13. September 1975 rauchte es auf einmal aus dem Heuboden. Als die Familie bemerkte, dass ihr Hof zu brennen begann, lief eines der Kinder zum Telefon, da man damals noch kein Handy hatte. Schnellstmöglich brachte die Familie mit vereinten Kräften die Kühe aus dem Stall. Es gelang ihnen, alle Kühe zu retten. Es dauerte aber die ganze Nacht, das Feuer zu löschen. Der Stall brannte bis auf die Grundmauern ab. Das Gebäude war mit dem Bauernhaus verbunden, bei dem jedoch nur das Dach erneuert werden musste. In dem Zimmer, in dem mein Vater mit seinen zwei Brüdern schlief, standen nach den Löscharbeiten 30cm Wasser. Die Familie musste danach einige Zeit im „Zuaheisl“ wohnen. Nachdem das Feuer gelöscht war, mussten sie den gesamten Heuboden ausräumen und das Heu verteilen damit es ja nicht mehr zu brennen begann. Die Familie inklusive der sechs Kinder wurde noch in der Nacht des Unglücks in einem Bus von der Kriminalpolizei verhört. Dadurch konnten sie nicht einmal schlafen. Nach diesem Ereignis wurde nur mehr gearbeitet. Auch mein Vater, der zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt war, musste mithelfen und konnte drei Monate nicht in die Schule gehen. Die Familie musste für den Neubau auch Schulden auf sich nehmen.

Mein Vater musste früher zu Fuß in die Schule gehen. Der Schulweg dauerte circa eine Stunde. Ein älteres Mädchen ging ihnen vor. Auf dem Weg zur Schule gab es oft Streitereien und Raufereien. Auf dem Schulweg gab es auch ein Süßigkeitengeschäft. Ihre Lieblingssüßigkeit dort waren Ketten mit aufgefädelten Süßigkeitenperlen.

In ihrer Freizeit spielten sie mit ihrem Esel Hochzeitskutsche, bauten sich eine Schipiste oder spielten in ihrem Baumhaus. Bei schlechtem Wetter spielten sie im Heuboden.

Am Sonntag gingen die Kinder mit der Oma zu Fuß zur Kirche in Hallein. Als Belohnung bekamen sie im Spielzeuggeschäft Schweizerkracher.

Mein Vater bekam kein Taschengeld. Die Kinder bekamen aber manchmal von den Verwandten ein paar Schilling. Wenn sie ihre Tante besuchten, bekamen sie immer einen Silberschilling.

Der Opa aus Sankt Koloman erzählte den Kindern öfters vom Krieg. Er hatte einen Durchschuss an der Hand erlitten.

Das Leben war früher körperlich sehr anstrengend, aber ich glaube es hatte auch einige Vorteile.

© sarah_n