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Mutausbruch

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Mutausbruch | story.one

Sieben Jahre - das war mehr als ein Drittel meines Lebens. Es warf mich völlig aus der Bahn, als er ging. An seinem Platz war nun ein riesiges Loch - in das ich immer mehr abdriftete.

Seit der Trennung waren 3 Wochen vergangen und mein Sommerurlaub rückte näher. Ein Urlaub den ich so gar nicht brauchte, wollten wir doch gemeinsam wegfahren. Bei dem Gedanken zu Hause zu sitzen und im Selbstmitleid zu baden, wurde mir übel. Ich wollte einfach nur weg. Wie plant man eine Flucht ohne Antrieb?

Eine Freundin warf schließlich in den Raum, dass ich doch schon immer mal nach Irland wollte. Anfangs hielt ich die Idee für absurd, um nicht zu sagen hirnverbrannt. Ich, in meinem Zustand alleine in Irland, einem Land das für triste regnerische Tage bekannt war. Doch je länger ich darüber nachdachte, umso besser gefiel mir die Idee. Viel zu lange hatte er mir gesagt, dass ich alleine doch nicht zurecht käme. Ich wollte es allen beweisen und vor allem ihm:

Außer mir brauche ich niemanden!

Ehe mich die Zweifel wieder übermannen konnten, kaufte ich mir einen Reiseführer für Irland und verschlang ihn binnen Stunden. Beflügelt von den vielen magischen Orten buchte ich Flüge, Unterkünfte und ein Busticket - jetzt gab es kein Zurück mehr. 8 Tage quer durch Irland - ich & mein 24l Rucksack - die einzigen Luxusartikel meine Kamera und der E-Reader.

Abflugtag. Ich betrete das Flughafengebäude. Mein Herz rast. Tränen brennen in meinen Augen - noch nie hatte ich so viel Angst, wie bei dem Gedanken den Flieger zu besteigen. Noch 2 Leute vor mir an der Sicherheitskontrolle. Gleich gibt es kein Zurück mehr. Plötzlich vibriert mein Handy. Auf dem Display blinkt eine Nachricht von ihm. Ich lasse das Handy zurück in meine Tasche gleiten. Die aufgestauten Tränen bahnen sich ihren Weg. Ich beruhige mich erst wieder, als ich längst im Flieger sitze.

Einreisekontrolle in Irland & Busfahrt ins Zentrum von Dublin. Ich fühle mich noch immer besch...

Als ich an der O'Connell Street aussteige, stehe ich mitten im bunten Treiben von Dublin und ich atme tief durch, fühle mich plötzlich so leicht und frei. Ich wage es endlich die Nachricht von ihm zu lesen.

>>Ich brauche einen Koffer. Kannst du mir bitte einen borgen?<<

Ungläubig starre ich aufs Handy, ehe ich antworte:

>>Kann dir nicht weiterhelfen. Bin nicht im Land.<<

Seine Antwort klingt verärgert. Vermutlich weil ich nicht mehr springe, wenn er schreit.

Ich lösche seine Nachrichten und die Nummer gleich mit. Vor ein paar Stunden hätte ich noch Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um ihm zu helfen. Doch hier beinahe 1900km entfernt von zu Hause, war es mir egal. Er war mir egal. Er hatte keine Macht mehr über mich.

Ich habe es gewagt. Ich bin in den Flieger gestiegen und habe meine Angst vor dem Allein sein überwunden. Egal was die nächsten Tage bringen würden, ich war frei.

Manchmal braucht man im Leben einen Mutausbruch, um sich selbst wieder zu finden...

...und geregnet hat es nie. Irland ließ die Sonne für mich scheinen.

© Saratani 2020-07-18

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