EINE NACHT IM KNAST VON CALLAO

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EINE NACHT IM KNAST VON CALLAO | story.one

1970 arbeitete ich in Lima, Peru. Im Mai hatte ich in Bern die Universität abgeschlossen, meine erste Anstellung führte mich nach Trinidad in die Karibik und von dort nach Südamerika, eben nach Peru. Jung, abenteuerlustig und voller Tatendrang war ich für alles zu haben – und machte dabei meine Erfahrungen.

Ein unrühmliches Ende nahm ein harmloser Abendausgang mit dem Dänen Ole Danielsen irgendwann im August. Er endete für mich in einer Einzelzelle im Gefängnis der peruanischen Hafenstadt Callao. Wie es dazu kam: Ole, mein Berufskollege und ich fuhren eines Abends in Lima zur Hafenstadt ins Rotlichtviertel. Von meinem parkierten VW-Käfer aus verfolgten wir das bunte Treiben, als uns plötzlich ein kleiner Lastwagen von vorne rammte. Der Fahrer hatte offensichtlich den Rückwärts- statt des Vorwärtsgangs beim Ausparkieren erwischt. Auf der anderen Strassenseite stand ein Polizeiauto. Die Polizisten hatten den Vorfall bemerkt und kamen rüber. Ausweiskontrolle. Obschon ich keinen Tropfen Alkohol intus hatte, wurde ich zusammen mit den Insassen des anderen Fahrzeuges in das nahegelegene Polizei-Spital gefahren. Alle Beteuerungen, ich sei ja gar nicht gefahren und zudem stocknüchtern, fruchteten nichts.

Der Gipfel der Unverfrorenheit sollte aber noch folgen. Es wurde mir Blut abgenommen, dem anderen Fahrer auch – dachte ich. Tatsächlich sass aber der Mitfahrer auf dem Stühlchen. Was ist da los? Ich fing an, mit meinem spärlichen Spanisch loszufluchen. Ein Polizeibeamter versuchte mich zu beschwichtigen und ein anderer Anwesender erklärte mir mit zwinkerndem Auge, der Fahrer sei blau wie ein Veilchen und ich wollte doch nicht, dass diesem armen Mann Unge-mach drohte. Sein Mitfahrer, offenbar weniger oder gar nicht alkoholisiert, würde deshalb das Blut für den Kollegen geben. Das ging mir aber entschieden zu weit. Ich fing an zu toben, brüllte Worte wie «corrupción», «bandidos» und alle sonstigen wüsten Wörter, die mir passend erschienen. Das liessen sich die Polizisten natürlich nicht gefallen und sperrten mich kurzerhand in eine Einzelzelle. Sauerei, verdammte. Am nächsten Tag bedeutete man mir, ich sollte jemanden anrufen der mich abholen kommt, am besten meinen Anwalt. Da wir in der Firma solche hatten, rief ich einen an, den ich gut kannte. Er war schnell zur Stelle und lachte sich den Buckel voll, als er den Vorfall geschildert bekam. Und die Moral von der Geschicht: «Als Ausländer hast Du besser still zu sein – nicht nur in Südamerika!»

© Schadi44 22.04.2019