IM KÄFIG ZU DEN WEISSEN HAIEN

Ich möchte nicht mutiger erscheinen als ich bin. Zwar bin ich 1976, als die Deltasegler in Flims eine Flugschule eröffnen wollten, versuchsweise allein ein paar Meter über dem Boden geschwebt. Das war auf der grossen Wiese hinter der Kirche. Später habe ich mal einen Tandemflug an einem Gleitschirm von Naraus nach Flims Dorf hinunter gewagt. Auch im Viererbob von St. Moritz nach Celerina bin ich gesessen – ich wurde kräftig durchgeschüttelt und habe rein gar nichts gesehen, weil man wegen der Fliehkraft besser den Kopf unten halten muss. Fallschirmspringen, wie mein Bruder Claude es ausübte, oder Bungeejumping, wie mein Sohn Alex sich getraute, sind definitiv nichts (mehr) für mich.

Und in einem Käfig zu den Haien runtergelassen werden? In Südafrika gibt es diese Möglichkeit, und viele grauslige Videos mit aus dem Wasser katapultierten Haifischen mit einer Robbe im Maul wurden in Mosselbay gedreht – nahe unseres Zuhauses. Ich wollte zumindest mal mit einem dieser Schiffe mitfahren und mir ein Bild machen. Der 12-Meter-Kahn fasste 20 Personen plus 4 Besatzungsmitglieder. Ich war in Begleitung meines Freundes Frieder Kolb aus der Nähe von Ulm – ich nenne ihn Fridu, weil er lange in Bern gelebt hat und des Berndeutschen mächtig ist oder es zumindest versteht. Er ist ein «wilder Hund», der noch im Pensionsalter die verrückten Volksabfahrten wie das Inferno-Rennen in Mürren oder das Allalin-Rennen in Saas Fee unter die Bretter genommen hat. Nach zwei Pillen gegen Seekrankheit wagten wir das Abenteuer mit der Firma «White Shark Africa». Von Mosselbay ging es eine Stunde in Richtung Groot Brak Rivier. Rund 800 Meter vom Ufer, wo die Leute badeten, hielt das Boot und lockte mit einer Brühe aus toten Fischen die Haie an. Wir schauten zu, wie die ersten Mutigen sich in Taucheranzüge zwängten und eine Taucherbrille aufsetzten. Dann stiegen sie – sechs Personen gleichzeitig – in einen an der Seite des Schiffsrumpfes befestigten Käfig. Sie standen bis zur Brust im Wasser, und auf Kommando «Shark from right» oder «Shark from left» tauchten sie unter und blieben so lange, wie der Atem ausreichte. Nachdem sich auch ältere Frauen trauten, sah ich für mich keinen Grund, es nicht zu versuchen – Fridu, der todesmutige Skirennfahrer blieb im Boot. Es war wirklich ein einmaliges Erlebnis aber aus meiner wassergewohnten Sicht ungefährlich. Mulmig war es mir aber schon, als ein Drei-Meter-Brocken den Köder verpasste und mit Volldampf einen halben Meter von meinem Gesicht entfernt an das Gitter knallte. Alle Mittaucher streckten wie auf Kommando den Kopf aus dem Wasser und johlten vor Begeisterung.

Erst später entdeckte ich auf Youtube ein Video, wie sich ein ausgewachsener Great White an den Gitterstäben zu schaffen macht (https://youtu.be/CKCPZviVKms). Ich glaube, ich hätte mich nicht getraut, wäre mir dieses Video schon vorher gezeigt worden.

© Schadi44