LIEBENSWÜRDIGE POLIZEI IN SÜDAFRIKA

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LIEBENSWÜRDIGE POLIZEI IN SÜDAFRIKA | story.one

Autofahren ist in Südafrika sehr erholsam. Kaum Raser auf der Strasse, keine Hektik ausser vielleicht in den Grossstädten. Bei uns in George an der Garden Route überzeugen uns die vielen 4-Way-Stops. Alle fahren langsam auf eine Kreuzung zu, derjenige, der zuerst da war, fährt auch als erster wieder los. Ab und zu hat es einer eilig und wartet nicht, bis die Reihe an ihm ist. Es gibt auch Kreisel, die es in England schon immer gab, und die in der Schweiz viel zu spät «erfunden» wurden. An ein paar wichtigen Kreuzungen gibt es «Robots», also Lichtsignalanlagen. Diese fallen öfters aus, und dann schalten die Autofahrer automatisch auf die 4-Way-Stop-Regel.

Wir sind in 15 Jahren nur sehr selten in eine Verkehrskontrolle geraten. Vor ungefähr zehn Jahren sind wir in Heidelberg, etwa 160 Kilometer vor George, viel zu schnell in den Ort eingefahren. Breite Strasse, kein Verkehr, aber eben von 100 auf 80 und dann 60 beschildert. Polizei mit der Kelle am Strassenrand. Ein schwarzer Officer lässt mich aussteigen und begleitet mich in seinen Wohnwagen, wo er mir die erhöhte Geschwindigkeit anhand seiner technischen Einrichtung beweisen will. Ein weisser Kollege wartet schon. «I know, I know», will ich mich entschuldigen. Ilse, die im Auto wartet, ist dieser Wohnwagen nicht geheuer. Sie beschliesst deshalb, nachzusehen, was da los ist. Einer der Polizisten fragt mich, ob das meine Frau sei, die da anmarschiert. Dann sagt er mir, ich hätte nun die Wahl, entweder eine Busse von umgerechnet 100 Schweizer Franken zu bezahlen oder aber dieses Geld gleich meiner Frau auszuhändigen. Zuerst verstehe ich nicht, wie er das meint. Ich denke an eine Art Schmiergeld. Als er dann Ilse fragt, ob sie meine Frau sei und insistiert, dass ich ihr das Bussgeld geben soll, dämmert es mir. Zu Ilse gewandt meint der Policeman dann schmunzelnd: «Aber nicht zurückgeben. Das ist jetzt Ihr Geld.» Als ich dann nachhakte und fragte, ob sie diese Geste nur bei Ausländern anwenden würden, bejahte er und meinte, ihre Leute würden sie in einem solchen Fall anders anpacken. Wir fanden das eine Touristenwerbung der Sonderklasse und fuhren erfreut weiter.

Ein paar Jahre später waren wir auf der gleichen Strasse in Richtung Kapstadt unterwegs. Es war heiss, im Landesinnern gegen 40 Grad. Wir überholten ein langsam fahrendes Polizeiauto und stiessen bald auf das Ende einer wartenden Kolonne: Stau wegen Baustelle. Da wir das schon des öftern erlebt hatten, wussten wir, dass dies einige Zeit dauern konnte. Wir drehten deshalb die Rücklehne nach hinten und entspannten uns. Im Innern des Autos wurde es immer wärmer, da wir den Motor und damit auch die Kühlung abgestellt hatten, wie es sich gehört. Beide sind wir dann eingenickt. Als wir plötzlich auf-schreckten, sahen wir, wie die Autos uns links und rechts überholten. Nicht einer hat gehupt, das Polizeiauto inklusive. «Lassen wir sie schlafen», haben die sich wohl alle gedacht.

© Schadi44 22.04.2019