Destination Irrsinn - Hin (und zurück?)

Was ich mir da wieder in den Kopf gesetzt hatte. Das ist doch gefährlich! Du wärst nicht der Erste, der nicht mehr zurückkommt. Da kommt man doch gar nicht einfach so hin?! Und überhaupt - warum?

Tja, vor allem die letzte Frage war durchaus berechtigt. Die Antwort darauf ist mir - selbst heute einige Jahre danach - nicht ganz klar. Warum genau will man in ein Land, das seit Jahrzehnten abgeschottet und von vermeintlich verrückten Diktatoren gelenkt wird? In ein Land wo man gehofft hätte, dass es in dieser Form im 21. Jahrhundert nicht mehr existiert würde.

Es war eben interessant. Aus meiner Sicht. Ist es heute noch. Ob ich nochmal dorthin möchte? Nicht heute, nicht morgen, nicht nächstes Jahr. Aber vielleicht in 10 oder 35 Jahren. Vielleicht wenden sich die Dinge bis dahin zum Guten. Oder es bleibt alles wie es ist... In Nordkorea.

In Peking möchte ich ohnehin nicht bleiben. China dient mir nur als Transitland. Zwei Tage reichen mir hier einstweilen aus - der Smog frisst sich aber sowieso schon nach wenigen Minuten an der vermeintlich frischen Luft in meine Lunge. Die meiste Zeit verschlafe ich ohnehin in meinem Kingsize-Hotelbett - die Fenster bleiben besser zu. Zu lange war der Flug von Wien nach Paris nach Peking. Aber dorthin muss ich, wenn ich rüber nach Pjöngjang fliegen will.

Apropos Flug. Was man über die staatliche Linie Nordkoreas, die Air Koryo, so liest, das hat es in sich: Schlechteste Airline der Welt, miserable Sicherheitsvorkehrungen, alte klapprige Sowjetflieger, Flugverbot im EU-Luftraum undsoweiterundsofort. Alles Quatsch. Naja gut, das Flugverbot besteht weiterhin, allerdings hat das wohl eher politische Gründe. In gut 60 Jahren gab es gerade mal einen tödlichen Unfall - die alten Klapperkisten stehen heute eh nur mehr sinnlos am Flughafen FNJ rum.

Am 6.11.2015 steigt also eine recht neue Tupolew mit der Flugnumer JS152 mit mir an Bord empor. Das Essen schmeckt merkwürdig und es gibt fragwürdige Bordunterhaltung. Also alles so wie immer eigentlich. Dafür brauche ich von Peking bis Pjöngjang weniger Zeit als beim Umsteigen am CDG.

Nach dem üblichen Prozedere wartet aber noch eine andere Hürde auf den Reisenden. Denn alle müssen durch den Zoll. Die sich durch wilde Handzeichen bemerkbar machenden Beamten kontrollieren aber nicht nur das Gepäck (pack bloß keinen Reiseführer für Nordkorea ein!), sondern schauen noch in aller Ruhe Handy, Laptop, etc. durch. Haben sie keine Filme o.ä. zum Start einer Konterrevolution gefunden, darf man endlich ins gelobte Land.

Nach dem Einsammeln aller Mitreisenden unserer achtköpfigen Gruppe durch unseren Reiseleiter Herrn Kim - nein nicht DER Kim - geht es dann ~20 km mit dem alten, 60 km/h schnellen Sowjetbus in die Stadt. Die gesamte Straße dorthin wird gerade um einen Radweg von tausenden Koreanern per Hand erweitert. Sowas machen bei uns keine 10 Arbeiter und eine Dampfwalze in einem Bruchteil der Zeit. Uns kommt ein Ochsenkarren entgegen. Wo bin ich hier nur gelandet...

© schoki