Dein Freund und Helfer

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Dein Freund und Helfer | story.one

Stellt euch mal bitte einen freundlichen Polizisten in Uniform vor. Am Gürtel das Funkgerät, die Waffe im Halfter, am Kopf seine Dienstmütze. Sein Alter 50 plus, er ist mit viel Erfahrung ausgestattet.

Seine Aufgabe zu Schulbeginn: Mit den jüngsten Verkehrsteilnehmern das sichere Überqueren am Zebrastreifen zu üben. „Der Schulweg beginnt schon im Bett“, meint er ernst und bittet die Kinder nicht zu spät aufzustehen. „Sonst müsst ihr euch zu sehr beeilen und achtet nicht mehr auf die Straße.“

Neugierige Kinderaugenpaare schauen nach vorn. Als das Funkgerät Geräusche macht, sind alle völlig aus dem Häuschen. „Hast du das gehört?“, ruft Ali. „Wer redet da drin?“ Der Polizist möchte seinen Vortrag fortsetzen. „Was hast du da?“, Leni deutet auf den Gürtel. „Psst. Jetzt hört gut zu“, bittet die Lehrerin.

Es geht um Verkehrszeichen. Der Techniker unter den Burschen will unbedingt seine Frage loswerden: „Also, Papa und ich haben einen Wurfgleiter gebaut. Können wir an der Straße das Schild: ACHTUNG FLUGZEUGE aufstellen?“ Ein hilfesuchender Blick des Gendarmen zur Lehrerin.

Endlich sind die Erstklassler mit Straßenschuhen und Warnwesten ausgerüstet. Sie stellen sich in Zweierreihe an, was der Lehrerin einiges an Nerven kostet. Einer schubst, einer dreht sich im Kreis, ein Mädchen muss aufs Klo. Ok, also los jetzt.

Ganz wichtig: nach links und dann nach rechts schauen… Sie konzentrieren sich auf die heranrollenden Autos. Leider nur sehr kurz.

Zwei Kinder lümmeln in der Wiese neben der Gehsteigkante. Die Lehrerin nimmt sie an der Hand. „Du, Herr Polizist. Wie weit kann deine Kanone schießen?“, will Jakob wissen. Oh weh, der freundliche Herr Polizist verliert bald seine Fassung. „Ist das eigentlich eine Integrationsklasse?“, erkundigt er sich bei der Lehrerin.

Die Kleinen marschieren wieder zurück. Tina turnt um den Rohrpfosten des Vorranggeben Schildes. Die Lehrerin hat alle Hände voll zu tun, weil zwei Kinder vordrängen und sich die anderen darüber beschweren. „Hey, du gehst zu schnell“, rufen Leo und Bernd dem Polizisten ins Ohr. Wie war das eigentlich früher mit Respekt vor Autoritätspersonen?

Zur Verabschiedung bedankt sich die Lehrerin beim etwas zerknirscht wirkenden Beamten, während die Kids „Tschüss“ rufen und im Pausenhof verschwinden. Der sichtlich erschöpfte Mann lässt sich im Konferenzzimmer für eine Tasse Kaffee nieder. „Also diese Kinder haben mir für heute den Rest gegeben.“ Sein Kopfschütteln spricht Bände.

© Schule-lebendig-positiv 21.09.2019