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Internationales Spielefest

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Internationales Spielefest | story.one

Ich absolvierte eine Ausbildung für Interkulturelles Lernen. Sie war durchwegs spannend und gut organisiert. Bei den einzelnen Modulen ging es stets um Offenheit und Toleranz. Wir sprachen viel über Migration und Möglichkeiten der Integration von Menschen, die nach Österreich gekommen sind.

Das Thema ist heute aktueller denn je. Und in jeder Lehrerfortbildung darf der Bezug zur Praxis nicht fehlen: Was hat ein Kind erlebt, bevor es hierher kam? Welche Werte wurden ihm bisher vermittelt? Welche Voraussetzungen und Begabungen bringt es mit? Darauf aufbauend soll der Sprachunterricht geplant und umgesetzt werden, die besondere Förderung im Fach Deutsch für Kinder mit anderer als deutscher Muttersprache.

Wie schnell das Integrieren der Allerkleinsten gelingen kann, ist erstaunlich. Vor allem, wenn sie im familiären Hintergrund beim Lernen unterstützt werden. Dazu müssen die Eltern nicht unbedingt selber deutsch sprechen können. Es reicht, wenn sie den Kontakt der Kinder untereinander fördern und mit der Schule kooperieren, alle gegenseitiges Vertrauen mitbringen und es den Kindern vorleben.

Für den Lehrgangsabschluss sollten wir ein Projekt planen, umsetzen und evaluieren. An meiner Schule gab es dutzende Kinder aus mindestens zwanzig verschiedenen Nationen: Schweiz, Italien, Kroatien, Serbien, Polen, Großbritannien, Philippinen und viele weitere. Uns so überlegte ich: Was verbindet Kinder am allermeisten? Das gemeinsame Spiel.

Ich setzte einen Elternbrief auf und bat um Unterstützung: Aus welchem Land kannten die Erwachsenen ein Spiel, das wir zusammen spielen konnten? Die Rückmeldung war mehr als erfreulich: Viele Eltern wollten sich Zeit nehmen, bei unserem großen Spielefest mitzuwirken. Wer kein Spiel beisteuerte, brachte eine Leckerei für das internationale Büffet mit.

Ich stöberte derweil in der Bibliothek, im Internet und trug Ideen, Spielanleitungen und Material zusammen. Dann legten wir im Kollegium den Termin und einen groben Ablaufplan fest. Mit den Kindern fertigte ich im Unterricht bunte Länderflaggen an. Jede Station wurde von einem Elternteil betreut - was für ein bunter Tag! Und das Wetter war gnädig.

Im Schulgarten, im Hof, in den Gängen vermischten sich Farben, Gesichter, Stimmen, Gerüche, Menschen und Kulturen. Jede Menge Erwachsene und über 150 Kinder spielten zusammen. Ich war echt glücklich, dass meine Idee so aufgegriffen und gelebt wurde.

Die Stationen waren vielfältig: Boules aus Frankreich, Kartenspiele aus Polen, Nursery rhymes auf Englisch, Schnurball aus der Schweiz, slawische Volkstänze, afrikanisches Trommeln, Tempelhüpfen, Knobeleien oder japanisches Origami Papierfalten. Und weil Musik auch verbindet, rundeten wir das Fest mit gemeinsam angestimmten Liedern ab. Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir ganz warm ums Herz. Die Kinder strahlten und noch viele Tage später bekam ich ganz liebenswerte Rückmeldungen.

© Schule-lebendig-positiv 24.05.2019

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