Ein Flirt, Urin und meine Schilddrüse

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Ich bin in einer Privatklinik zum obligatorischen Gesundheitscheck. Ein hübscher Krankenpfleger mit hellen Augen und langen Wimpern bittet mich zum EKG. Ihm fällt mein hochgezogenes Laufleiberl auf. „Sind´s Sportlerin, oder?“, fragt er während er die Saugnapferl über meinem BH anbringt. „Tja!“ prahle ich und höre mich sagen: „Ich trainier schon sehr sehr regelmäßig." Eine KOMPLETTE Lüge! Manchmal schleppe ich mich kleine Laufrunden, mit Füßen so schwer wie Blei. Ich hab eine Körperspannung wie eine weichgekochte Spaghetti-Nudel und bei meiner letzten Wanderung auf den Sparber wurde ich mehrmals von deutschen Rentnergruppen überholt! „Löblich“, lächelt er anerkennend. Dann drückt mir einen Becher in die Hand. „Hier rein bitte noch eine Harnprobe.“

Kurz darauf hocke ich unentspannt am Klo und warte, bis sich etwas tut. Minutenlang tröpfelt es zaghaft vor sich hin. Etwas angeekelt will ich meine “Flüssig-Beute" in einem diskreten Facherl abgeben, finde aber keines. Also trage ich das halbvolle Urinbecherl in den vollen Warteraum und täusche lässig vor, mit wohltuendem Kamillentee spazieren zu gehen.

Dann – endlich - erlöst mich der fesche Krankenpfleger. „Geben Sie mir´s einfach.“ SEIN ERNST?! „Nicht nötig! Wo soll ich´s denn hinbringen?“ Ich möchte das auf GAR keinen Fall! „Schon okay. Geben Sie mir´s“, wiederholt er und umfasst dabei den warmen Becher. Um ein Unglück zu vermeiden, presse ich die Augenlider aufeinander und folge seinem Befehl. Memo: Allerspätestens bei einer prekären Urinübergabe vor Publikum verdörrt jeder außereheliche Morgenflirt wie eine Schnecke in der sengenden Wüstensonne.

„Na also. Jetzt bitte einfach warten.“

Kurz darauf holt mich der Internist. Er ist höflich, schielt aber so stark, dass ich mich zweimal umdrehe, als er mich fragt, wie es mir geht. Ich folge ihm ins Behandlungszimmer. „Dann schauen wir uns mal Ihre Schilddrüse an.“

Wie im Affekt ziehe ich mein Leiberl hoch, wuzel meinen Kopf durch den engen Ausschnitt und lasse mich auf die papiertüchergesäumte Liege fallen. „Ähm... ich kontrolliere die Schilddrüse“, wiederholt er. „Ja eh“, präsentiere ich mit beiden Händen meinen Bauch wie Schmuck beim Teleshopping. Stille. Ziemlich lange sogar...

JETZT ABER GANZ EHRLICH: Wer bitte weiß so auf dem EffEff, dass die Schilddrüse nicht in der Nähe des Magens, sondern irgendwo im Hals ist? Ich jedenfalls nicht!%!

Als mir der Arzt die Position meiner Organe erklärt, habe ich den Tiefpunkt meines Besuches hier erreicht. Wortlos lasse ich die Untersuchung über mich ergehen. „Ah hallo“, sagt der Internist dann aus heiterem Himmel zu mir. Ich bin verwirrt, grüße aber natürlich zurück. Erst danach sehe ich, dass der Gruß wohl dem Pfleger in der Seitentüre galt. Der ist meinen Urin inzwischen los geworden und lächelt motiviert. „So Frau Schwarz! Jetzt geht’s zum Belastungstest.“ WAS?! „Keine Angst, das ist nur intensiver Sport. Aber darin Sie sind ja nach eigenen Angaben top!“

© Schwarz_auf_Weiss