Fuck you Zirkeltraining!

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Mein Körper ist der fleischgewordene Trugschluss. Anatomisch nämlich gebaut wie ein Weberknecht (ich habe elends lange Haxn und Arme) verbirgt sich in mir die personifizierte Trägheit. Ohne Scheiß: Ich habe null Körperspannung. Null Ausdauer. Und null Biss, mich selbst an die Grenzen meiner Fitness zu bringen. Und trotzdem tu ich es manchmal. Heute bei meinem ersten Mal Cross Fit.

In der Umkleide zieht sich ein Mädel – Typ Ameise – vor mir ihre hautenge Funktionskleidung über. Sie hat kein Gramm Fett um ihre definierten Muskeln. „Das Training hier ist knallhart“, macht sie mir nüchtern klar. Ich lache unsicher. Und spüre, dass sie jedes Wort todernst meint. Ich folge ihr – mit einem Handtuch unter der Achsel - in die Trainingshalle. Die anderen sind auftrainiert und top-motiviert. Ich überlege abzubrechen.

Dann kommt die Trainerin. Keck, die Augen mit Mascara zubetoniert und mit einem Körperfettanteil, wie ich ihn zuletzt in der Volksschule hatte. Wir sollen uns in Dreigrüppchen Bälle zuwerfen. Klingt lustig. Ist es aber nicht! Bei jedem Wurf muss man so weit in die Knie, bis der Arsch fast den Boden berührt. Der Ball hat zehn Kilo. Ich sterbe!

Nach fünf Minuten spüre ich, wie der Schweiß vom Hals in meinen Sport-BH rinnt.

„So – dann fangen wir an!“ klatscht die Trainerin in die Hände. Sie baut Stationen aus Matten, Ringen und Hanteln auf. „Jede Übung zwei Minuten. Zehn Sekunden zum Wechseln.“ Ich kann es nicht fassen. Wir machen hier fucking Zirkeltraining! Sie nennt die Übungen Planks, Burpees oder Squats. Für mich heißen sie alle gleich: FOLTER!

Dann startet der erste Countdown und mit ihm harte Musik. Ich fühle mich zu lang. Zu untrainiert. Zu weich. Wie Pudding versuchen meine Oberarme den schweren Körper hoch-und niederzudrücken. „Den Bauch mehr anspannen. Die Schultern zurück“, drillt mich die Trainerin. Ich hasse sie. Und mich, weil ich mir das hier antue. Die Ameise gibt Urlaute von sich, während sie von der Hocke in die Streckung springt. „Und weiter“, schreit die Trainerin zum Wechsel-Alarm.

Ich lecke mir über die salzigen Lippen. Mein schweißnasses Leiberl klebt an mir wie tote Obstmücken auf einem Streifen Tixo. Ich schmeiße das Handtuch auf den Boden und hebe es beim nächsten Wechsel wieder auf, um mein Gesicht abzuwischen. „Weiter! Vier Runden noch!“ Ich breche innerlich zusammen. Das überlebe ich nicht.

Fünf Runden quäle ich mich durch jede einzelne Horror-Station. Die 40 allerlängsten Minuten meines Lebens!!!

„So geschafft!“ höre ich schließlich von weit weg. Mein Herz pocht wie verrückt. Ich sehe Funken. Mein Mund fühlt sich sandig an, mein Gesicht ist paniert mit Staubwuckerl vom Bodenhandtuch. Ich lasse mich auf eine Matte fallen und versuche apathisch zu atmen. Ehrlich: Als Weberknecht ist man hierfür nicht geschaffen! Dann erscheint der Kopf der Ameise über mir. „Das war doch ganz gut“, strahlt sie. „Bis zum nächsten Mal dann?“ Ich nicke aus letzter Kraft. Idealistisch. Und unzurechnungsfähig.

© Schwarz_auf_Weiss