Tage wie dieser

Ich bin Optimistin. Zeigt mir einen Wolkenhimmel und ich finde einen Hauch von blau. Im Schneesturm bewundere ich die Schönheit der Flocken. In der Hitze denke ich dran, dass Schwitzen gut für die Haut ist. Sogar meine Blutgruppe ist positiv.

Und dann gibt es Tage wie den heutigen, der den kleinen Regenbogen über mir einfach fett in den Arsch tritt.

6:30: Ich tapse mit geschwollenem Gesicht und halbgeschlossenen Augen aus dem Schlafzimmer. Noch bevor ich mich erinnere, dass die Glühlampe gestern ausgebrannt ist, schlage ich mit dem großen rechten Zeh gegen die Türe. Verwundet und apathisch stolpere ich ins Bad.

6.34: Ich will duschen. Beim Schamponieren drehe ich versehentlich mit meiner Kehrseite das Wasser auf kochend heiß. Meine Kopfhaut dampft gefährlich, mir wird schwindelig.

7:30: Ich humple benommen zu meinem Auto. Drinnen schreit mir ein Piepton zu, dass meine Reichweite bei 0 km liegt. Ich hasse tanken.

8:05: Ich bringe mein Auto zum Pickerlmachen in die Werkstatt, gebe mein vollgetanktes Auto ab und bekomme einen Leihwagen. Den ich erstmal tanken muss.

9:13: Meine Kollegen stehen in der Küche. Ich koche (wie jeden einzelnen Tag im Jahr) Wasser auf und schütte es (wie jeden einzelnen Tag) in einen großen Glaskrug.

9:14: Der Krug explodiert mit einer übertriebenen Dramatik. Rumfliegende Glassplitter bombardieren uns, meine Kollegin wird von einer Fontäne kochendem Wasser an der Hand verbrannt.

12:43: Ich lasse mir Essen mitbringen. Das Lokal ums Eck hat von Plastik- auf Papiergeschirr umgestellt. Bei der Übergabe riecht das To-Go-Sackerl verdächtig intensiv nach Kokosmilch und tröpfelt. Bei genauerem Hinschauen ist alles aufgeweicht, das Curry vermischt sich mit dem gelösten Karton und wird zu einer kulinarischen Mutprobe.

13:42: Ich konzentriere mich auf meine Arbeit und benutze einen kaputten Kuli. Meine Finger sind komplett blau. Ich gehe sie mir waschen und bemerke im Spiegel, dass im Untergrund meiner Oberlippe eine Fieberblase wuchert.

13:43: Ich beuge mich weiter vor, um den Future-Herpes zu inspizieren. Dabei spüre ich, wie sich meine Creole löst und in den Gulli fällt. Adéu forever.

17:38: Am Heimweg biege ich bei DM ab, um Fotos zu drucken. Ich hab wenig Zeit, darum wähle ich hastig ein Format. Durch einen minimalen Schlampigkeitsfehler bin ich wenig später im Besitz 13 postergroßer Bilder für 42,30 Euro.

19:01: Daheim werden Steine verlegt. Ich zwänge mich in die Arbeitskluft und sprenge den Hosenknopf.

22:54: Müde stehe ich im Badezimmer. Ich vermisse meinen Ohrring. Mein Spiegelbild lächelt mir schwach entgegen. Mit letzter Kraft will ich ein Peeling aus dem Kastl holen. Dabei bleibe ich an der neuen Parfumflasche hängen und reiße sie ins Nichts. Als sie am Fliesenboden zerschellt, benebelt mich sofort ein beissender Eternity-Geruch. Ab jetzt wird aber alles besser, sage ich in die schwere Gestankwolke und schneide mich an einer Glasscherbe...

© Schwarz_auf_Weiß