Sauber!

Wir wohnen endlich in unserem neu gebauten Haus. Alles riecht unberührt. Und auch wenn ich jetzt nicht per se penibel bin, entdecke ich doch leicht zwanghaft-pedantische Züge an mir. Die Kastentürl dürfen nicht offen stehen. Der Teppich muss symmetrisch liegen. Und wenn ich ein Bröserl auf der Anrichte entdecke, bekämpfe ich es mit Allzweckreiniger wie seinerzeit die Pupertätswimmerl mit Clerasil. Man will eben diesen Zauber wahren. Darum duscht man und poliert danach die Armaturen. Man patzt und wischt danach sofort drüber. Manchmal patzt man auch nicht und wischt. Das geht super zu zweit. Zach wird´s, wenn Gäste einfallen. Und noch zacher: Wenn Gäste Kinder haben. Und in unserem Freundeskreis gibt es davon schon zahlreiche. Bezaubernde rotzige Mädels, schelmisch grinsende Jungs – allesamt knuffig bis zum Gehtnichtmehr. Aber halt schwer gefährlich, wenn man sie in einem frisch bezogenen Pärchen-Haushalt loslässt.

Letzte Woche hatte ich Urlaub und gleich drei Kinder samt Mamas zu Gast. Mit Kaffee und Kuchen. Serviert auf großzügigen Untersatzerln. Die Kurzen anfangs noch andächtig und ruhig. Dann – nach einer kurzen Auftauphase - starten sie zu sämtlichen Laden auf Augenhöhe. „Räumen die da eh nix aus?“ frage ich präventiv in Richtung Mütter. Eine zieht die Horde ab und entspannt die Lage. Als nächstes höre ich Bewegungen im Wohnzimmer. „Springt da wer auf der neuen Couch?“ frage ich präventiv in Richtung Mütter, bevor sie zum Rausholen starten. Dann wollen die Kinder auf dem Boden spielen. Ich fühle kalten Angstschweiß, will Plastikplanen auf dem gebürstet und geölten Eichenboden auslegen, entscheide mich dann aber todesmutig und cool wie Sau nur für Decken. „Die haben eh keine Stifte eingeschoben, oder?“, frage ich präventiv in Richtung Mütter. Ich werde unterbrochen, weil einer der Kleinen ein Nutallasemmerl will. Und will einer, wollen alle. Ich streiche also konzentriert drei Semmerl mit der allernötigsten Menge an Nutella, um einer Schokofinger-Katastrophe zu entgehen. Als ich serviere, erkläre ich die Regeln. Langsam und vorsichtig essen. Nicht reden. „Und könnt ihr ihnen dann den Mund und die Hände mit den Fetzerl hier abwischen?“ Die Mütter nicken. Dann haben noch alle Durst. Meine Nerven! Ich bringe Saft und jedem Kind ein Tatzerl. Jeder muss das Glas gut mit beiden Händen festhalten. Und sich konzentrieren. Die Mamas müssen stützen.

Als alle gegessen und getrunken haben, atme ich vorsichtig aus. Noch ist nichts verdreckt. „Läuft ja ganz gut“, finde ich, beuge mich vor, kippe dabei den Krug Saft um, überschwemme Geschirr, Besteck und alle Untersetzer, will retten was zu retten ist, tappe dabei in ein übrig gebliebenes Stück Nutallasemmerl, haue es auf den Boden, rutsche und komme mit den Unterarmen mitten auf der binnen Sekunden desaströs-überschwemmten Tischplatte zum Liegen. „Du musst aufpassen Steffi. Das ist alles neu hier“, sagt eines der Kinder mit offenem Mund und sauberen Händen.

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