Vom Heimkommen

Der harte Regen, der hinterlistig durchs undichte Dach kriecht. Der Nachbar, der mir zu verstehen gibt, ich sei hier nicht willkommen. Meine Oma in einem Krankenhauskittel. Eine Baustelle, die gerade so groß und übermächtig wirkt, das sie mir die Luft zum Atmen raubt. Ich drohe zu ersticken. Ganz langsam, aber mit jeder losgeflossenen Träne qualvoller. Eine schwere Decke aus Überforderung, Traurigkeit und Enttäuschung liegt über mir und nimmt mir auch noch den letzten verbleibenden Sauerstoff.

P. nimmt mich an der Hand, er hilft mir auf mein Fahrrad und leitet mich dazu an, in die Pedale zu treten. Ohne Widerstand tue ich was er sagt. Ich trete als ginge es um mein Leben. So hart, dass ich spüre, wie das Blut gegen meine Adern schlägt. Es geht bergauf. Ich folge ihm. Immer weiter. Die Luft wird klarer, der saubere Himmel kommt näher. Dann sind wir ganz oben. Ich lasse Schuhe und Helm in die Bergwiese fallen und mich daneben. Die Sonne streichelt liebevoll meine angestrengten Gesichtszüge. Ich höre Schmetterlinge fliegen. P. hilft mir hoch, um mir den Ausblick zu zeigen. Ich atme. Das erste Mal seit Wochen atme ich. Ich spüre Kräuter und Blumen zwischen meinen Zehen. Und das Panorama. Die in verschiedene Blautöne getauchten Berge, die sanften Hügel, den smaragdgrün-türkisen See. Ich lausche meinem Herzschlag. Hier ist Frieden. Hier ist alles nichts. Hier hat sich mein Glück versteckt.

© Schwarz_auf_Weiß