Bewusst-Sein

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Bewusst-Sein | story.one

In meiner Kindheit bei meinen Eltern zog ein junges Ehepaar in die Nachbarschaft und bekam bald auch zwei Söhne, auf die ich mit meiner Sandkastenfreundin oft aufpassen durfte. Es waren meine ersten Schritte im Bereich der Pädagogik und sobald die beiden laufen konnten, besuchten sie mich auch schon regelmäßig zu Hause.

Ich wurde Spielkamerad, Lehrer, Streitschlichter, Bademeister (meine Eltern haben einen Pool) und Aufpasser - und ein gern gesehener Gast auf dem nachbarlichen Grundstück. Für die beiden Jungs konnte ich mich auch sehr begeistern, auch weil ich mit gleichaltrigen bisher eher wenig Glück gehabt hatte. Immer öfter verbrachte ich Zeit bei den Kindern und ich durfte sie in ihrer Kindheit begleiten.

Eines Tages, die beiden waren mittlerweile sechs und acht Jahre alt, saßen wir mit ihren Eltern in deren Garten und unterhielten uns über Gott und die Welt. Unter anderem ging es darum, wie das Ehepaar zum jeweiligen Beruf gekommen war, woraufhin sie auch mich fragten, was ich einmal werden möchte. Damals hatte ich noch keine richtige Vorstellung, wohin ich will und was ich vom Leben erwarte, ich denke ich antwortete sowas wie >jetzt mache ich mal die HTL, danach Bundesheer und dann suche ich mir einen Job<. In jedem Fall gab ich die Frage auch an die Kinder weiter und der Ältere der beiden antwortete sofort mit Klassikern wie Feuerwehrmann, Fußballer oder Astronaut, so genau weiß ich das nicht mehr.

Als wir alle schließlich unsere erwartungsvollen Blicke auf den Kleinen richteten, viel mir dieser um den Hals und sagte: >Ich will ein DU werden.<

Wenn ich jetzt daran zurück denke, treibt es mir immer wieder ein oder zwei Tränen in die Augen, aber damals wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie viel Einfluss ich auf diese Kinder hatte und welche Verantwortung das bedeutet. Dieses Erlebnis hat mir einen neuen Blick auf mich selbst gelehrt, den ich zwischenzeitlich leider auch Mal wieder vergessen hatte.

© ScrewDesign 24.11.2019