Ego ist

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Ego ist | story.one

Jeder Mensch ist egoistisch ... immer.

Das ist eine harte Aussage, ich weiß, aber für mich eine tröstende Wahrheit. Damit will ich nicht sagen, dass ich davon ausgehe, dass jeder nur an sich selbst denkt und andere immer nur ausnutzt, sondern lediglich, dass ich davon überzeugt bin, dass niemand je etwas tut, ohne es auchfür sich selbst zu wollen.

Mit 16 hatte ich das Glück, die aktive Selbstreflexion zu entdecken. Nicht weil es mir jemand gezeigt hätte oder ich ein schlaues Buch gelesen habe, sondern weil ich festsgestellt hatte, dass ich mit meiner bisherigen Art zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gelangt bin. Meist alleine, wenige und nur oberflächliche Freundschaften, regelmäßige Zurückweisung ... ich hatte eine tolle Kindheit, nicht falsch verstehen, aber gefühlt war ich nie Teil von etwas außer dem wo ich hinein geboren worden bin. Wie sehr ich mich auch bemüht habe, ich kam in keine Gruppe so richtig rein und blieb der ewige Außenseiter.

Ich machte also irgend etwas grundlegend falsch. Anstatt immer dabei sein zu wollen und immer mitzureden, hörte ich zu und beobachtete nur noch. Ich sprach nur, wenn ich gefragt wurde, etwas brauchte oder der Ansicht war, dass es eine konstruktive und passende Aussage war. Noch wichtiger aber: ich nahm mir vor, mein Scheitern offen zu akzeptieren ... jedes Mal. Fehler passieren, ständig, nur wenn man diese verleugnet werden sie zu einem Problem. Man kann nicht besser werden, wenn man nichts zu verbessern sehen möchte - "aus Fehlern wird man klug" ist nicht nur eine dumme Ausrede dafür, Mist gebaut zu haben.

Ich schweife ab.

Durch die Erkenntnisse meiner neu gefundenen Gabe der Selbstbeobachtung habe ich eines festgestellt: Äußerer Zwang ist eine Illusion. Niemand zieht an meinen Fäden, niemand diktiert mein Handeln, niemand steuert was ich sage, denke oder tue. Beeinflussen, ja, absolut - ohne Dateneingabe keine Verarbeitung. Die Entscheidung über mein Handeln liegt aber immer einzig und allein bei mir, und egal was ich im endeffekt tue, tue ich weil ich es so will. Selbst wenn mir jemand eine Pistole an den Kopf hält und mein Geld verlangt, kann ich immer noch >Nein< sagen oder diese Person zu überwältigen versuchen. Warum tun wir das meist nicht? Weil wir die Alternative weniger wollen als die geforderte Handlung, wir geben das Geld her, weil es das ist, was wir in diesem Moment von allen Möglichkeiten am meisten wollen.

Selbstlosigkeit ist lediglich der Wille dazu, sich gut zu fühlen indem man anderen hilft. Aber es ist immer noch mein eigener Wille, den ich nur für mich selbst ausführe. Per Definition Egoismus.

Diese Sichtweise hilft mir seit dem, mein eigenes und das Handeln anderer objektiver zu betrachten. Jeder Mensch hat eigene Motivationen für Taten, und nur wenn wir nach diesen fragen, haben wir eine Chance andere zu verstehen. Außerdem denke ich klarer bevor ich meinen Impulsen nachgebe, unter diesem Gesichtspunkt kann ich die Schuld ja schlecht auf andere abwälzen.

© ScrewDesign 24.11.2019