Das bodenlose Loch

Manchmal wird alles zu viel. Stehen. Sitzen. Reden. Lächeln. So tun als ob alles in Ordnung wäre, auch wenn das ganz bestimmt nicht der Fall ist. Diese Momente, in denen man sich einfach allen fühlt. Als würde man versinken in einem Loch. Ein tiefes Loch, ein Loch ohne Boden. Dieses Loch saugt alle positiven Gefühle auf, solange bis die negativen überwiegen und alles zu viel ist. Ein Urinstinkt setzt ein, flüchten und zwar so schnell wie man nur kann. Man zieht sich zurück. In seinem Zimmer, einen leeren Raum, auf einer Treppe oder einfach auf der Toilette der Schule. Doch was nun ? Weinen? Schreien? Einfach nur durchatmen ? Oder vielleicht sogar wieder etwas Dummes, Unüberlegtes oder sogar Gefährliches tun? Die Antwort steht bereits fest, ohne überhaupt über diese Frage richtig nachzudenken.Es ist zwar keine Lösung, doch es fühlt sich so erleichternd an. So gut. So beruhigend. Dieser neue Schmerz kann den Schmerz in einem drinnen übertönen und manchmal, wenn man viel Glück hat , sogar verschwinden lassen. Doch weder ein Rasierklinge, ein Messer , ein Zirkel oder einfach nur die Nägel an seinen Händen können dieses Gefühl komplett verschwinden lassen. Zumindest nicht langfristig. Und manchmal, oder öfters , bleiben Narben. Narben , die einen zurückversetzen in eine schreckliche Zeit. Narben , die man oft nicht sieht und trotzdem nie ganz verheilt sind. Narben , die einen stolz machen können, wenn man es doch irgendwann schafft aus diesem Teufelskreis zu fliehen und einen zeigen , dass man stärker ist als dieser. Doch wann wird einem diese Flucht gelingen? Was muss man tun , damit diese gelingt? Und wird diese überhaupt jemals gelingen ? Jeden Tag stellt man sich dieselben Fragen. Jeden Morgen. Jeden Mittag. Jeden Nachmittag. Jeden Abend. Selbst jede Nacht. Sie lässt einen nie ganz in Ruhe . Macht einen fertig. Macht eine müde. Macht einen kraft- und hoffnungslos. Und lässt die gesamte Situation aussichtslos erscheinen. Diese Situation wird auch das Leben genannt. Soll man dieser Situation endlich ein Ende setzen? Oder soll man eher sich eine stählerne Rüstung aufbauen, die man zwar nur mit viel Arbeit schmieden und pflegen muss, jedoch im besten Fall diese Situation zum Guten wenden könnte? Und was sind eigentlich die Materialien , die man zum Bauen so einer Rüstung braucht ? Medikamente? Psychiater? Therapien? Freunde ? Familie ? Hobbys? Oder eventuell ein Aufenthalt in einer Klinik? Was auch immer diese sind, man muss diese Materialien nutzen. Vielleicht braucht man nicht alle. Vielleicht braucht man nur sehr wenige von diesen. Und vielleicht braucht man auch ganz andere für diese Rüstung. Was auch immer diese sind, man muss jede Chance nutzen diese ausfindig zu machen und zu nützen. Denn man darf erst aufgeben, wenn man alles Mögliche getan hat. Wenn man mit Leib und Seele dabei war. Wenn man wenigstens versucht hat sich selbst zu lieben. Erst dann darf man aufgeben. Und wer weiß, vielleicht will man dann gar nicht mehr aufgeben.

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