Off-L(e)ine wider Willen

Samstag, bei mir zuhause. „Kannst du mal für ne Stunde auf meinen Hund schauen, würde gerne reiten gehen.“ Natürlich sehr gerne. Es ist gar nicht leicht jemanden zu finden der auf seinen Hund aufpasst. Obwohl Hunde süsse und gesellschaftstaugliche Wegbegleiter sind scheuen sich viele diese gastweise in ihren Alltag zu integrieren. Eine Lektion die auch ich lernen musste als ich mir meinen süssen Schoko zugelegt hatte. „Auf deine Tochter schauen? Klar gerne. Aber kommt Schoko auch mit?“ höre ich sehr oft und habe mich damit abgefunden. Wenn ich mal „verhindert“ bin brauche ich zwei „Babysitter“. Einen für das Kind, einen für den Hund.

Also wirklich sehr gerne! Meine Freundin reitet los in den Wald. Mein Hund sitzt neben mir und ihren Hund, Porthos, halte ich vorsichtshalber mal am Brustgeschirr fest. Er liebt sein Frauchen. Inständig und inbrünstig. Nicht dass er ihr nachläuft. Gut. Sie ist im Wald verschwunden, außer Sichtweite denke ich mir und lasse ihn los. Schwups und schon läuft er ihr nach. In den Wald. Ich hinterher. Sie soll doch wohl mal in Ruhe ausreiten können!

So sprinte ich Porthos und Schoko mir hinterher. Und wir holen Porthos tatsächlich ein. Spitze! Aber was jetzt? In meiner Panik hab ich keine Leine mitgenommen. Dann versuchen wir mal meinen Stoffgürtel vom Jumpsuit. Vielleicht wirkt das psychologisch bei einem 50 kg schweren Hund der mir bis zur Hüfte reicht. Ratsch. Also nö. Geht nicht. Ok aber er bleibt bei mir wenn ich aufpasse. „Sitz, Platz“ und Festhalten am Brustgeschirr - Ok das funktioniert. Fein. Dann sitzen wir halt mal hier auf der Lichtung.

Eine Katze. Schoko jagt ihr nach. Gottseidank in Richtung des Hauses. Porthos jagt Schoko nach. Fein. So haben wir 100 Meter geschafft. Nur noch ca 100 Meter zurück zur Leine, zu meinem Handy oder etwas das ich erledigen könnte. In Rufweite zum Haus. Mein Mann geht zum Müll: "Gerald! Ich brauche eine Leine." "Du geniesst es alleine?" Er geht wieder rein. Gut dass wir das besprochen haben... Dann wieder Stillstand. Ich reiße den Dodel runter: „Porthi komm, schau mal, komm“ hohe Stimme, ich springe. Nö. Keine Bereitschaft zu einer Bewegung Richtung Haus.

So setze ich mich. Zwischen zwei Hunde. Auf die Lichtung. Zwei Hunde und ich -ohne Leine, ohne Handy und damit echt „off-L(e)ine“. Ohne irgendetwas das mich ablenkt. Und mache situationserzwungen NICHTS. Ach wie fad und sinnlos. Beobachte Vögel, lausche der Stille, geniesse die Natur. Die ersten fünf Minuten fühlen sich an wie Stunden. Die letzten zwanzig wie Sekunden. Auf einmal steht Porthos auf und geht Richtung Haus. Fein. Dann gehen wir halt mit. Entspannt wie schon lange nicht mehr. Sollte ich öfter machen.

© Seelenschreiberling