We can be Heroes - just for ten minutes

Montag. Straßenbahn. Wien. Gedanken verloren saß ich im 25er Richtung Donauzentrum. Da ich nun mal Ohren habe und nichts anderes zu tun hatte, bekam ich das Gespräch zweier Teenager auf dem Zweiersitz gegenüber von mir mit. Mädchen, dachte ich mir. War ich auch mal so? Alles war ein Drama, alles musste besprochen werden. „Wo treffen wir die Jungs?“ - „Keine Ahnung, sie melden sich“.

Ja, ja die neuen Möglichkeiten durch den Mobilfunk. Wo sind die Zeiten hin, in denen man sich noch ausmachte wann und wo genau man sich traf? Wo man mitunter Minuten auf jemand am vereinbarten Treffpunkt wartete, ohne das Handy zu zücken um nachzufragen wo derjenige denn bliebe? Man ganz einfach nicht erreichbar war, weil man nicht zuhause und damit in der Nähe des Telefons war? Oder es besetzt war – Stichwort Viertelanschluss. Vergangen. Und auch nicht schlecht so.

Der aktuellen Teenagersprache nicht mächtig, möge man mir meine vielleicht altmodische Wiedergabe des Gesprächs der beiden Mädchen mir gegenüber verzeihen: „Oh mein Gott!!! Mein Akku ist fast leer. Wie lange fahren wir denn noch? Erreichen uns die Jungs dann noch? Wo kann man denn im Donauzentrum Handys aufladen? Hast du ein Ladekabel mit? Wieviel Geld hast du mit? Können wir eins kaufen?“ DRAMA! Vielleicht verpassen sie ja dadurch die Liebe ihres Lebens stürzen in bodenloses Unglück und werden auf ewig einsam dahinvegetieren!

Auf der Suche nach meinem Handy um die Vorteile des Smartphones zur Zerstreuung zu nutzen, durchstöberte ich meine Handtasche. Und da war was – eine Powerbank. Zur Abwechslung mal aufgeladen. Und ein Ladekabel.

„Welches Handy hast du denn?“ fragte ich in ein verdutzt blickendes Teenagergesicht. Wohl etwas schockiert, dass ich mitgehört hatte entgegnete das Mädchen „Ein I-Phone, warum?“. Mein Ladekabel in die Höhe haltend, fragte ich ob dieses Kabel vielleicht passen würde. Und nachdem es das tat, übergab ich ihr die Powerbank samt Ladekabel. Der Blick des Mädchens war Honig für die Seele. Ich war ihre Heldin - eindeutig. Schenkte ich ihr doch noch zehn Minuten Gelegenheit ihr Handy aufzuladen und somit für die Jungs erreichbar zu sein. Das Gespräch der Mädchen wurde gedämpfter. Ganz erstaunt waren sie über meine Hilfe.

Die Powerbank samt Ladekabel erhielt ich mit überschwänglichen Worten des Dankes begleitet, bei bereits geöffneter Straßenbahntür unmittelbar, bevor die Mädchen raushüpften, zurück. Jede Sekunde liebeslebensrettende Akkuleistung war schließlich auszunutzen. Ob es gut war, die Jungs zu treffen oder nicht werde ich nie erfahren. Vielleicht habe ich den Mädchen zu einer großartigen Zeit verholfen, vielleicht aber auch zu großem Liebesschmerz. Jedenfalls fühlte ich mich als Heldin – zumindest für zehn Minuten.

© Seelenschreiberling