Once upon a Time..i walk alone

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.

Schwindel überkommt mich, das Blut steigt mir sichtlich und spürbar ins Gesicht. Ein Schweissausbruch, rauschen in den Ohren und ja, gleich werd ich ohnmächtig. Ich spürs. Spürbare,bohrende, gestresste Blicke in meinem Rücken. "He..t wos vastehns...jetz sog is scho..i was ned?!" Der Schaffner hinter der Plexiglasscheibe trägt eine viereckige Brille. Er ist korpulent und hat mich mit seinen geweiteten Augen fixiert. Sein Gesicht ist blutrot, nachdem ich ihn zum dritten Anlauf bitte, mir nochmals,nicht alles aber das letzte gesprochene zu wiederholen. Die Umstiegsorte und Uhrzeit des spontan einberufenen Schienenersatzverkehrs bitte zu erklären. Da spontan, hing eben schriftlich keine Information aus, an der ich mich wie sonst immer in meiner Lage, hätte orientieren können. Fast 50min entfernt von meinem Zuhause wusste ich nicht in welchen Bus ich mich setzen soll der mich an mein Ziel bringt. 6 stehen zur Auswahl. Alle Motoren laufen, Geräusche hoch Zehn. Kein bekanntes Gesicht unter den Menschen um mich herum, an das ich mich halten könnte. Nur starrende, vorwurfsvolle Blicke. In meinen Augen halt. Mein Mut hat mich verlassen. Ich denke an ein Taxi. Nicht nochmal fragen müssen, teuer zahlen aber sicher daheim sein.. Die Blockade erwischte mich mal wieder, es ist immer ein Gefühl wie vor einer Panikattacke. Oder mitten drinn. Ich hätte laut sagen sollen,,bitte schreiben sie mir die Information auf, ich bin schwerhörig, auch wenn sie mir noch zwanzig mal brüllend entgegenwerfen wo ich rein und raus muss werde ich Sie in dieser lauten Geräuschkulisse hinter ihrem beschissenen Plexiglas nicht verstehen!" Konnte ich aber nicht. 15 Jahre alt und schwerst eingeschüchtert von diesem Leben . Ich konnte nach dem 3 mal,, Entschuldigung ich hab es noch immer nicht ganz verstanden" kein Wort mehr herausbekommen. Den Tränen nahe und kurzatmig begebe ich mich hinter die Menschentraube und sammle wie so oft in meinem Leben Energie, um eine Person von der ich mehr Geduld erhoffe, anzusprechen. Und wie so oft hatte ich dann auch Glück. Zum Zeitpunkt, erlebe ich nun seit fast zwei Jahren häufiger solche Momente und werde noch sehr viel mehr solcher erfahren. Unkenntnis und Neuland meinerseits, Unkenntnis und Ungeduld andererseits. Woher ich immer wieder meine Energie schöpfte um aus diesen, für mich gnadenlosen Situationen zu entkommen, kann ich nicht sagen, nur viel hat es mir später gekostet, dieser ewige Energieraub. Schwerhörig sein bedeutet sehr oft, dass es nicht die Lautstärke beeinflusst was beim Gegenüber ankommt, sondern oft ist es die Deutlichkeit und Betonung der einzelnen Silben. Dass man Menschen wie mich durch diese Lautstärkenerhöhung in äusserst missliche Lagen bringt, in denen man physisch und psychisch nur verliert, möchte ich mit meiner Situationsbeschreibung erklären und sensibilisieren. Meine Behinderung ist unsichtbar, ich möchte sie sichtbar machen.

© Seilenna