Die umständliche Reservierung

Ein unvertrautes Pfeifen ertönt in der Rezeption des Hotels. Unsicher heben sich die Blicke der Rezeptionistin und des Praktikanten. Was war das?

Da hinten in der Ecke steht ein Fax. Ein echtes, funktionierendes. Es knarrt, rattert, piept wieder. Die beiden Mitarbeiter starren entsetzt auf das urtümliche Gerät. Langsam setzt sich die Papierrolle in Bewegung. Es knarrt wieder, ein wenig klingt es als ob die Plastikzahnräder im Inneren sich nur widerwillig in Bewegung setzten. Gerade kommt die Chefin um die Ecke und auch sie hebt verwundert die Augenbrauen. "Jo, wos is denn des hiaz?", entfährt es ihr. Vor allem der Praktikant steht interessiert vor dem Faxgerät. Er streckt den Finger aus, deutet auf das ratternde und quietschende Etwas und sieht die Chefin fragend an: "Is des a Fax?"

Die Chefin bejaht die Frage, obwohl es auch bei ihr unsicher klingt. Die Rezeptionistin trippelt nervös auf ihren Gastgewerbeballerinas hin und her - wäre die Chefin jetzt nicht da, sie würde vor Aufregung auf den Fingernägeln kauen müssen. "Sicher a Werbung!", meint die Chefin und dreht sich schon weg, "schmeißt's es weg und des Faxgerät glei dazua! Is scho fuffzehn Joa koa Reservierung mehr kemma, nur da Chef ko si nid davo trenna - weis domois vü Göd kost hot!" Sie verlässt die Rezeption.

Nach etwa einer Minute liegt die Faxnachricht im Ausgabeschacht des Geräts. Die Schrift ist blass, an manchen Stellen wie ausradiert. Der Praktikant stürzt sich darauf, er überfliegt das Papier. "Bist du deppert! Des is a E-Mail!" und er wachelt mit dem Papier in Richtung der Rezeptionistin. Diese nimmt ihm das Fax aus der Hand. Tatsächlich handelt es sich bei dem Fax um eine ausgedruckte E-Mail, erkennbar am outlooktypischen Briefkopf. Absender- und Empfängeradresse sind die gleiche. Der Gast erklärt in seiner Nachricht, er sende nun ein Fax, da er auf seine postalische Anfrage keine Antwort erhalten habe, und ob er für Ende Oktober noch ein Zimmer reservieren könne.

Der Praktikant und die Rezeptionistin lachen über diese eigenwillige Form der Korrespondenz und machen sich an eine Antwort. "Pass auf", sagt die Rezeptionistin zum Praktikanten, "du schreibst jetzt a Reservierungsbestätigung mit da Hond, scannst es ein und schickst eam den Scan per E-Mail!" - "Und donn schreib i eam a Fax z'ruck und frog, oba's kriagt hot!"

© Sepp_Rasser