O.K., schön war's

Es war später geworden als gedacht, mein vierbeiniger Freund stand bereit für einen Spaziergang und ich war weder durch die Kälte noch durch die Dunkelheit dazu motiviert, ein weiteres Mal vor die Tür zu treten. Jedoch war das euphorische Schwanzwedeln eindeutig und so schlüpfte ich in die wärmste Jacke, die ich besaß, und bevor ich mich hinter meinem Schal versteckte, legte ich meinem Hund das leuchtende Halsband um, damit wir auch in der Finsternis gesehen wurden. Es fehlte nur noch ein Detail, damit der Marsch erträglicher wurde: die passende Musik. Ich musste ausschließlich eine Playlist wählen, die meine Laune hob. Die Lieder, die ich in letzter Zeit gehört hatte, waren eindeutig nicht die richtigen. Sie langweilten mich. Die andere Wiedergabeliste hörte ich jedes Mal, wenn ich mich für Prüfungen vorbereiten und jedes Geräusch um mich herum eliminieren musste. Ich fragte mich, wenn ich nicht lernte, wie ich diese Lieder ertrug, aber ich verschwendete nicht zu viele Gedanken daran. So durchforstete ich alle Songlisten und normalerweise war ich nicht sehr wählerisch, aber dieses Mal fühlte sich keine richtig an. Nur eine bestimmte Sammlung an Liedern reizte mich, doch die vermied ich seit Monaten, da ich sie mit ihm verband. Jedes dieser Lieder spiegelte einen fröhlichen Moment wider, den wir damals gemeinsam erleben durften. So gern hätte ich diese Erinnerungen wiederbelebt, doch die Angst vor möglichen Gefühlsausbrüchen war bis jetzt immer zu hoch gewesen. Da ich allerdings im Sekundentakt ungeduldig von einer Hundeschnauze angestupst wurde, beschloss ich kurzerhand, dass ich es schon verkraften würde. Plötzlich merkte ich, wie mein Herz aus Nervosität stark zu klopfen begann, als ich die ersten bekannten Töne auf der unbeleuchteten Straße, die von Feldern eingeschlossen war und kaum von Autos befahren wurde, abspielte. Es war ganz ruhig und ich spürte nur mein Herzpochen und die Melodie des ersten Liedes. Langsam erhöhten wir unser Schritttempo passend zum Takt des Liedes, das einst zu meinen Lieblingsliedern zählte. Damals hörten wir es in Dauerschleife, tanzten, lachten und unterbrachen dieses Lachen bloß für den ein oder anderen Kuss. Jetzt hörte ich es umgeben von einer Dunkelheit, die nur durch das leuchtende Halsband durchbrochen wurde, und mir fiel auf, dass weit und breit niemand war. Doch der Rhythmus, die Melodie und der Text waren noch immer gleich und damit auch das Gefühl der tiefen Freude, das ich damals verspürte. Zuerst begann nur mein Kopf dem Takt folgend hin und her zu wippen, dann zappelten meine Finger und ehe ich mich versah, tanzte ich durch die Finsternis zu unserer Vergangenheit. Die Angst vor dem Gefühlsausbruch verschwand und die Dankbarkeit für die schönsten Momente meines bisherigen Lebens nahm ihren Platz ein. Ich tanzte zu der nicht länger verbotenen Musik, mein Wirbelwind hüpfte mit mir durch die Nacht und jede Traurigkeit verflog bei der Erkenntnis: O.K., schön war‘s.

© Sheela Taheri