22:30

Der Weg am Weinberg ist ohne zusätzliches Licht gut sichtbar, wir machen unseren täglichen Abendspaziergang.

Die Luft ist mild und selbst der Wind, kann die angenehme Atmosphäre nicht stören.

Vor mir die Lichtkuppel von Bratislava rechts von mir wesentlich gewaltiger die Lichtkuppel von Wien.

Heute ist es nicht nur die übliche Kuppel, nein heute erhellt sie den Himmel so stark, dass man an etwas wie Dämmerung denken könnte

Die nächtlichen Spaziergänge haben etwas meditatives, den Tag revuepassieren lassen den kommenden Tag noch einmal kurz durchdenken und dann nur mehr die Stille genießen!

Stille? Da bellt gerade ein Fuchs, also gibt es hier doch welche. Gesehen habe ich hier noch keine, aber Losungen habe ich gefunden die mir sehr nach Fuchs ausgesehen haben. Pepper war teilweise sehr interessiert daran, jetzt habe ich die Gewissheit.

Ist es ein Rüde der sein Revier akustisch absteckt oder eine Fähe die den Rüden zur Paarung lockt? Ist überhaupt Paarungszeit?

Ich blicke gegen den Himmel und bitte meinen Großvater um Verzeihung. Eigentlich sollte ich das ohne langes nachdenken wissen. Schon fällt es mir ein die Fähe ist im Jänner und Februar für kurze Zeit für den Rüden bereit. Also es könnte gerade noch eine Fähe sein! Opa hat doch guten Unterricht in der Natur geleistet.

Wir kommen zum Ende des Weges, eigentlich geht er noch weiter, aber in einem Zustand, der ein sicheres Gehen bei den Lichtverhältnissen unmöglich macht. Ich habe zwar eine Taschenlampe und eine Stirnlampe dabei, aber ich will die angenehme Stimmung nicht durch grelles Licht zunichtemachen.

Also drehen wir um, es ist ohnehin an der Zeit. Wir sind seit 20 Minuten unterwegs und das Bett wartet.

Jetzt weht uns der Wind entgegen eigentlich auch nicht unangenehm und für die Sichtung von Tieren sehr positiv. Pepper hebt den Kopf, scheinbar trägt der Wind etwas an ihre feine Nase. Ist es der Fuchs den wir zuvor gehört haben, oder etwas anderes.

Den Fuchs würden wir mit Sicherheit nicht sehen, trotzdem kontrollieren meine Augen die Umgebung. Wir bewegen uns leise und der Wind verschluckt die wenigen Geräusche die wir verursachen.

Da stehen sie, vier Rehe, sie haben uns noch nicht bemerkt aber es kann sich nur um Sekunden handeln. Pepper ist absolut ruhig die Aufregung ist an der Körperhaltung und am Schwanz unschwer zu erkennen aber sie gibt keinen Laut von sich.

Die Rehe sehen uns, beäugen uns und flüchten zwischen den Reihen des Weingartens, es kehrt wieder Ruhe ein.

Wir kommen nach fast vierzig Minuten Spaziergang in die Siedlung zurück, ich muss nur einige Häuser passieren um zu meinem eigenem zu kommen, niemand ist auf der Straße. Niemand stört meine innere Ruhe.

Zuhause angekommen dauert es noch 10 Minuten bis wir uns zur Ruhe begeben, Pepper geht ohne Anordnung in ihre Schlafhöhle sie ist nach einem anspruchsvollen Tag müde.

Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen ist „Wie konnte ich nur die letzten Jahre ohne Hund leben?“

© Siegfried Czeczelich