Der Wurschtel kommt zum Heiligen Abend

Es war der 22. Dezember 1987 und ich stand in einem kleinen Kaff in Botswana, eigentlich sollte der Job noch ca 4 Wochen dauern, aber alles war schneller vonstattengegangen und so waren wir mit einem gewaltigen Bonus und dem Gehalt für die nächsten 4 Wochen vorzeitig entlassen worden. Was macht man am 22. Dezember mitten im Nichts, mit den Taschen voller Geld. Genau, man erinnert sich an Weihnachten zuhause und besteigt den nächsten Bus in die Hauptstatt und zum Flughafen.

Dort ergattert man noch einen Flug über Umwege nach München und dort gibt es ja Verbindungen nach Wien. Wenn alles glatt geht, bin ich noch am 23. Dezember in der Nacht in Wien. So meine Rechnung.

Ich hatte noch einige Scheine der Landeswährung in der Tasche und kaufte darum, bei einer Straßenhändlerin eine Art Wurschtel, der aus lauter Stoffresten zusammengenäht war. Die Frau freute sich über das Geld, ich hätte darum wahrscheinlich den ganzen Korb bekommen. In Österreich war es die Mühe, es in der Bank zu wechseln nicht wert gewesen.

Was meine Rechnung betraf, hatte ich Afrika nicht eingerechnet. Die Flüge hatten alle Verspätung. Und so wusste ich, als ich in München in den Zug stieg, dass ich noch genau die Bescherung miterleben würde, wenn Tantchen die ich informiert hatte diese herauszögerte.

Und so rannte ich in Wien vom Zug zum Taxi und dann mit einer als Weihnachtselfe verkleideten Taxifahrerin durch halb Wien, zur Bescherung. Ich hatte keine Möglichkeit noch Geschenke zu kaufen und so stand ich mit nur einem Wurschtel für den kleinsten in der Weihnachtsgesellschaft vor der Türe und läutete.

Tantchen die ja wusste wer draußen steht, schützte vollen Stress vor und bat meine Mutter die Tür zu öffnen.

Nun muss man sagen, dass ich nicht der große Briefeschreiber war und mich schon einige Zeit nicht mehr gemeldet hatte.

Ergebnis, meine Mutter öffnete, sah mich an und holte zu einer Ohrfeige aus. Ich hätte dieser ohne Mühe ausweichen können, es war mühsamer, dem Reflex zu wiederstehen. Und so traf mich eine Dachtel, nichts was ich wirklich gespürt hätte. Dann umarmte mich meine Mutter mit den Worten „Hättest dich ruhig melden können, Rotzpippen!“

Mein Vater war nicht so gnädig, aber auch er war bald milde gestimmt.

Bei der Bescherung, bei der ich natürlich nichts bekam und selbst nur den Wurschtel eingebracht hatte, war gerader dieser, für den Kleinen das tollste Geschenk. Buba so wurde er sofort getauft, war über Jahre der Wegbegleiter und hat bis heute einen Ehrenplatz.

Es ist bis heute einer der schönsten Weihnachtsabende in meinem Leben, auch wenn ich von der umständlichen Reise müde und nicht gerade vorzeigbar war. Ich werde ich den Abend nie vergessen.

© Siegfried Czeczelich