Die Wette

In meiner Anfangszeit, als Schaben noch durch Spritzung bekämpft wurden, Hhtten wir an einem heißen Sommertag eins Spritzung in einem Haus, in dem auch ein Maler und Anstreicher wohnte und arbeitete.

Der Mann rief am Nachmittag an und meinte unsere Mittel wirkten nicht.

Nun muss man dazu sagen, dass Schaben bei hohen Temperaturen einen extrem schnellen Stoffwechsel haben und trotz vergiftung nicht einfach tot umfallen.

Der Maler meinte die Tiere liefen unverschämt auf der Mauer auf und ab und ich solle gefälligst was dagegen unternehmen.

Mein Einwand von wegen Stoffwechsel wurde als Humbug abgetan.

Nun hatte ich jedoch den Wetterbericht gehört in dem gesagt wurde, dass es in der Nächsten Stunde massiv abkühlen würde, so schlug ich vor, die Fenster zu offenen und die Ventilatoren die normalerweise zum schnelleren trocknen der Farbe eingesetzt wurde, so zu positionieren, dass sie von außen Luft in die Wohnung blasen.

Auch das wurde als Verzögerungstechnik angesehen.

Da kam mir eine Idee, ich schlug eine Wette vor, wir würden genussvoll in das Lokal an der Ecke gehen und es uns gut gehen lassen. Wenn wir nach drei Stunden zurück kämen und die Tiere noch immer munter herumlaufen würden, so würde die Zeche an mich gehen.

Sollten die Tiere aber Tot oder eindeutig im Sterben liegen, so müsste der Maler die Summe berappen.

Die Wette wurde ohne Zögern angenommen und wir gingen in das Lokal.

Am Weg dorthin kühlte es bereits spürbar ab und die Wolkenbrüche der nächsten zwei Stunden ließen das Quecksilber in den Thermometern weiter rasant fallen!

Der Handwerker meinte die Wette schon gewonnen zu haben und ließ sich das feinste und teuerste aus Küche und Keller auftischen. Die Rechnung war atemberaubend hoch, doch den Maler kümmerte das nicht. Er war sich sicher, ich würde die Suppe auslöffeln müssen.

Wir gingen voll von gutem Essen zurück in die Räume des Malers und dann wechselte bei dem guten Mann, das wohlige Sättigungsgefühl in Magenkrämpfe. Alle Schaben die noch vor drei Stunden auf der Wand herumgeturnt waren, lagen am Boden, tot oder dem Tode nahe.

Der gute Mann gab mir das Geld, welches ich für die Rechnung ausgelegt hatte und fluchte wie ein Ottakringer Bierkutscher.

Am Weg nachhause kam ich noch einmal bei dem Lokal vorbei und begegnete einem der Kellner, dieser fragte mich wie die Wette nun ausgegangen sie, der Maler hatte im Lokal damit herumgeprotzt.

Ich sagte es dem Mann worauf dieser zu lachen begann. Der Maler war überall als Geizkragen verschrien und hatte mich noch aufgefordert ein anständiges Trinkgeld zu geben. Alle Angestellten des Lokals hatten gehofft ich würde gewinnen und freuten sich über die Niederlage des Malers. Ich wurde noch auf Kaffee und Kuchen eingeladen was ich dankend ablehnte.

Der Maler erwies sich jedoch als besserer Verlierer als angenommen, er vermittelte noch einige Aufträge. Aber er schärfte jedem neuen Kunden ein, ja nicht mit mir zu wetten. Ich hätte möglicherweise schwarze Mächte an meiner Seite

© Siegfried Czeczelich