Sind sie??

Es ist ein Sommernachmittag im Jahr 2004, ich sitze endlich wie immer nach der Arbeit im Cafe um die Ecke.

Einerseits dumm da es neben dem Büro liegt und fast alle wissen wo sie mich noch erreichen können, andererseits gut weil hier alles für mich stimmt. Es ist nicht zu groß und nicht zu klein, der Kaffee schmeckt und das Personal ist nett, hat aber ein Gespür dafür, wann ein netter Plausch und wann ein diskretes zurückziehen gefragt ist.

Heute lese ich zur Entspannung Dantes göttliche Komödie, ich bin gerade im Inferno, als jemand vor mir steht. Ich sehe auf und erblicke eine junge Frau. Mädchen wäre wohl etwas falsch und von Dame ist sie genauso weit weg wie vom Mädchen.

Sie sieht auf etwas in ihrer Hand und dann mich an. Dann kommt der unerwartete Peitschenknall aus ihrem durchaus hübschen Mund. „sind sie mein Vater?“

Ich lasse das Buch sinken, meine Kinnlade wohl auch. Da kommen die nächsten Worte „ Sind sie es oder nicht?“

Jetzt fange ich mich und versuche ein Lächeln, was wahrscheinlich nicht ganz gelingt. Ein kurzes Räuspern und dann kommt meine Antwort. „Wenn sie ihrer Mutter ähnlich sind, bestünde vielleicht die Möglichkeit.“

Jetzt sieht sie mich verblüfft an „na sie kennen doch meine Mutter und das sehr intim!“

Ich habe meinen Mittelpunkt wieder bitte die mögliche Tochter sich zu setzen und frage sie, was sie trinken wolle. Dann beginnt ein Gespräch, zuerst etwas holprig, dann schon etwas flüssiger.

Die Kleine, wie ich sie insgeheim für mich nenne, ist sie ja möglicherweise meine Töchterchen, erzählt mir, dass sie von ihrer Mutter nie erfahren hat, wer ihr Vater sei. Und das sie die Abwesenheit ihrer Mutter genutzt habe nach Spuren ihres "Erzeugers " zu suchen, dabei sei sie auf mich gestoßen. Mich oder besser meinen Arbeitsplatz, habe sie über einen Namensfetter gefunden. In das Cafe habe sie ein Kollege gelotst.

Erst jetzt erfahre ich den Namen der Frau Mama und das Geburtsdatum der Tochter. Ein kurzes durchrechnen der Daten ergibt, ich bin nicht der Vater außer die nicht mehr Kleine, ist ein 18 Monatskind.

Eigentlich schade, ich hätte nichts gegen eine so hübsche Tochter gehabt.

Ich beschließe aber Lydia zu helfen, zufällig weiß ich, wer mein Nachfolger in der Gunst der Frau Mama war. Aber ebenso ist mir bekannt, dass er es nur kurz war. Aber er schmachtete sehr lange und so wisse er bestimmt, wer danach kam und vielleicht der gesuchte Vater sei!

Wir haben den Vater auch gefunden, er war nicht so begeistert wie ich es gewesen wäre, aber auch so war er mehr eine Enttäuschung als ein Vater.

Für Lydia war ich ein lieber Onkel und leider nicht der Vater, wie sie selbst sagte.

PS Lydia hätte mich schon vor Jahren zum Opa gemacht.

© Siegfried Czeczelich