Unruhestimme

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„Auch eine Visionärin braucht mal eine Pause“ dachte Franca, als die Unruhe wieder hochkam.

Sie wusste in diesem Sommer nicht mehr, wer sie war, sie hatte plötzlich - oder schon länger - auf sich selbst vergessen.

Das Leben hatte sich nicht so entwickelt. Sie musste sich neu kreieren….sie wusste allerdings keinen Rat, drückte sich ins Gras nieder und vergaß, wer sie hätte sein können, in diesen lauen Sommernächten.

Pausenlos hatte sie getan, getan, getan - eine fleißige Ameise im ruhenden Wald…

Sie suchte die Ruhe, die Entspannung und fand „das Land der Unruhe“.

Sie saß im weichen Gras, um sich selbst zu verlieren, das erdachte Leben war immer bei ihr, wie ein Wurmfortsatz, der sich nicht und nicht wegbrechen ließ.

So wie die vielen Fragen, die sie in sich verspürte. Sie hatte viel gelesen, viel geträumt, viele Sprachen gesprochen, viel erlebt. Dieser Sommer der Unruhe war ein Wandel der Erlebnisse. Die Unruhe begleitete sie überallhin, Schritt für Schritt gingen sie gemeinsam durch den Sommer.

Sie wollte bei sich selbst ankommen. Während sie aufstöhnte, als sie zusammengerollt auf der Decke lag und dachte „Das Leben sei ungerecht zu ihr“ - kringelte sie ihre losen Gedanken in die Luft:

Sie war gestaltende Kraft, aber alles lag brach in der Unruhe dieses Sommers.

Ihr war langweilig, sie wollte flüchten, vor dem Zittern, vor dem Ausdruck, der in ihr brodelte, aber noch keinen Ausgang fand.

Sie wollte frei sein, und fühlte sich doch gefangen!

War sie in einen Film geraten, wo sie nicht mehr hineinpasste?

Franca kam sich vor wie in einem Filmriss, unfähig – sich zu entwirren.

Welche Schnur - führte wohin?

Ihre Hand griff zu einer neuen Schnur, während sie die grüne Schnur aufwickelte, brachte die Unruhe dieses Sommers einen Regenbogen hervor…dem sie verstohlen entgegenblinzelte.

Mehr konnte ihre Unruhe im Moment nicht ruhen…

© Sigrigel