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Polizeieskorte in Bilbao

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Polizeieskorte in Bilbao | story.one

Ich stotterte nur "No habla espanol..." und zog dabei die Schultern hoch. Der alte Mann wechselte überraschend mal die Sprache und formulierte die Frage in Englisch. Ich nickte verdattert, erklärte ihm das ich mich verlaufen habe und die Herberge nicht finde. Der gute Mann lächelte mich an, führte mich am Oberarm ohne große Worte zur nächsten Metro-Station. Aus dem Nichts tauchte dort eine Spanierin, etwa im ähnlichen Alter des Mannes auf. Ich wurde dort mit ein paar spanischen Sätzen übergeben. Ein Zeichen, der Dame zu folgen, kam im Anschluss. Meine Gedanken überschlugen sich. Sollte ich wirklich einer Fremden folgen? Ich schob die Frage zur Seite und hatte Mühe mit der Spanierin mitzuhalten. In der Metro zog sie mir ein Ticket, Geld wollte sie keines annehmen und fuhr mit mir einige Stationen mit der Metro in ein komplett anderes Viertel von Bilbao. Die Dame versuchte mit mir zu sprechen. Ich verstand nichts. Die Frau dachte gar nicht daran ihr Gespräch mit mir einzustellen. Kurz darauf stiegen wir aus der Metro und marschierten direkt in eine Bar, dort wurde mir Wasser und ein Sandwich bestellt. Der Barmann hatte Mitleid mit mir und übersetzte den Redeschwall der Dame ins Englische. Ich verstand soviel, das ich erschöpft aussehe und zu Kräften kommen müsse, außerdem würde die Pilgerherberge in Bilbao erst um 18 Uhr öffnen. Ich wäre eingeladen, sozusagen als Gastgeschenk, das ich in Spanien Urlaub mache. Ich selbst versuchte mich mit den Worten "Muchias grazias" für die Hilfe zu bedanken.

Nach meiner Stärkung wurde ich direkt zur Pilgerherberge von Bilbao gebracht. Ich atmete geräuchschvoll aus, bedankte mich erneut, als die Spanierin plötzlich ihre Hände über dem Kopf zusammenschlägt und mehrfach "Mamma mia!" ausrief. Da sah ich den Aushang auf der Türe. "Geöffnet ab 10. Juni 2010". Tja, ich war eine Woche zu früh dran. Was sollte ich jetzt machen? Müde, verschwitzt und total verloren war ich. Plötzlich sprang die Spanierin auf die direkt angrenzende vierspurige Hauptstraße und hielt das nächstbeste Auto auf. Ich erschrak richtig. Zum Glück ging alles gut. Ein Polizeiauto blieb stehen, zwei Polizisten stiegen aus und fragten nach dem Grund. Und wieder wurde ich ohne Nachfrage übergeben, an die zwei Herren in Uniform. Sie öffneten die hintere Türe, baten mich freundlich einzusteigen und brachten mich zurück auf den Jakobsweg, direkt nach Portugalette. Die Fahrt war befremdlich für mich. Das Polizeiauto war zwischen Vordersitzen und Rückbänke mit einem Gitter getrennt. Die Sitze waren Schalensitze aus Hartplastik . Ich fühlte mich als hätte ich eine Straftat begangen, von Entspannung war nichts zu spüren. Vor der Herberge in Portugalette stiegen die Polizisten aus, hielten mir die Türe auf und begleiteten mich, einer links einer rechts, in die Herberge. Prompt wurde die Anmeldung noch von den freundlichen Polizisten übernommen. Sie zwinkerten mir zu, verabschiedeten sich mit "Buen Camino!" und weg waren sie.

© Silke Wrbouschek 2020-07-23

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