Betreten verboten

Damals jobbte ich in der Gastronomie.

Im zweiten Stock war ein Männer Verein eingemietet und nur dieser durfte die Räume nutzen.

Sie kamen einmal pro Monat und hatten eine fixe Kellnerin.

Außer Plan meldeten sie „Bedarf“ an. Problem: die Kellnerin war auf Urlaub.

Da es dringend war, akzeptierten Sie mich- der Geschäftsführer solle mich unterweisen.

Wir gingen rauf- erstmals betrat ich den ersten Raum.

Überall hingen Schwerter/Degen/Äxte und Schilder mit Wappen, sogar eine Ritterrüstung war im Eck.

Mittig ein langer Tafeltisch mit wunderschönen Schnitzereien an den Kanten, die geschwungenen Füße endeten in Löwentatzen. Die Tischplatte hatte zahlreiche Intarsien.

Ich bin im Himmel!

Die Unterweisung begann: „nichts reden/fragen (schwierig), leise verhalten, bei Reden rausgehen- sie werden geholt wenn es weitergeht. Keinesfalls und wirklich keinesfalls dürfen sie den Nebenraum betreten.“

„Es wird alles in schwarz/lila gedeckt, der Kelch kommt an das Kopfende- ebenso die Schale. Sie selbst müssen schwarz tragen-kein Schmuck.“

„Noch Fragen“?

„Was ist im Nebenzimmer?“

„Nicht reingehen- geht sie nichts an!“

„Unten können Sie die Tischwäsche holen, die wurde bereits angeliefert. Die Kristallgläser sind hier im Schrank, ebenso das Besteck und die Platzteller- der Kelch und die Schale sind auch drinnen.“

Er drehte sich am Absatz um und verschwand.

Ich schaute mich noch etwas um und holte die Tischwäsche.

Das lange Tischtuch war schwarz, die Decktücher lila, die Servietten schwarz- Zettel dabei: Servietten in Fächerform.

Während ich eindeckte, wurden auch die Getränke geliefert. Beim Wein ein Zettel dabei „alle dekantieren“.

Immer wieder fiel mein Blick Richtung Nebenraum- eine weiße Doppelflügeltür mit Glaseinsatz jedoch ohne Sicht auf den Raum, da das Glas von innen mit lila Tüchern abgedeckt war.

Die Vorbereitungen waren fertig und ich in schwarz adjustiert (schwarze Bluse wurde auch geliefert).

Ich hatte knapp eine Stunde Leerlauf- schlich vor dem verbotenen Raum auf und ab.

Jetzt war es mir egal- langsam drückte ich die Türschnalle runter- nichts versperrt!

Im fast dunklen Raum erkannte ich rundum Vitrinen mit allerlei interessanten Dingen- mittig stand ein Tisch, den ich erst jetzt Beachtung schenkte.

Darauf ein Sarg- zum ersten Mal sah ich eine Leiche!

Schnell raus da- am Weg nach unten, begegnete ich den Geschäftsführer „Schon fertig? Gehen sie noch was essen, bevor die kommen- könnte länger dauern“.

Ganz gegen meine Art, fiel mir das Schweigen an diesem Abend gar nicht schwer.

© Sirius