Da machte ich´s wie Luther

Eine Kundin zeigte mir voller Euphorie, Fotos. Sie war am Wochenende in die Tschechoslowakei gefahren. Erstmals wurden Kronen aus aller Welt ausgestellt. „Toll, traumhaft- wissen Sie ob die Ausstellung auch nach Österreich kommt?“

„Nein, aber sie läuft noch bis kommenden Sonntag!“

„Wo ist die Ausstellung?“ „Valtice- nicht weit weg von der Grenze.“

Der Gedanke, an die Pracht lässt mich nicht los.

Ich sende an die im Internet angegebene Mailadresse eine Anfrage, und hoffe, dass jemand Deutsch spricht und mir sagen kann, wie ich anreisen könnte.

Am nächsten Tag, hatte ich die Antwort. Ich startete eine Rundum-Mail- „Kommst du mit…“. Entweder hatten sie keine Zeit, oder waren nicht interessiert. Mein Nachbar schrieb: “kann leider nicht-bring mir bitte Bier mit-Sorte egal + Käse!“

Da die Neugierde groß war, beschloss ich trotzdem zu fahren. Ich beauftragte eine Freundin im Fall des Falles, unsere Botschaft zu informieren, falls ich mich am Samstag nicht bis 23 Uhr melde.

Samstag: ich kaufe mir das Ticket und werde darauf hingewiesen, dass ich Umsteigen muss- jedoch nicht, dass ich dafür nur eine Minute haben werde.

Man musste einen Sprint hinlegen, um den Zug zu erreichen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich trainiert.

Endlich angekommen, folgte ich der Beschreibung in der Mail und stand alsbald im Schloss. An der Rezeption fragte ich nach der Dame, die mir die Mail geschrieben hatte- Sie ist leider heute nicht da, was ich von ihr wolle. Ich zeige die Mail, packe die Mozartkugeln aus und bitte die Dame, dass sie ihrer Kollegin, diese von mir übergeben solle.

Sie schnappt sich die Mail und die Süßigkeit, lauft eiligen Schrittes zu einer Tür und verschwindet dort.

Ein paar Minuten später, steht ein Mann vor mir. „Sie bekommen eine V.I.P. Führung- bitte folgen Sie mir!“

Mir werden alle Räume gezeigt- die Geschichte Schlösser Valtice, sowie das Schwesterschloss Lednice zu Gehör gebracht (ganz in der Nähe und leider keine Zeit sich das anzusehen)- sie gehörten ehemals der Familie Lichtenstein- die Kronen sind sehr gute Plagiate, dennoch sehr interessant. Mein Herz blutet, da die Restaurierungen im Schloss teilweise dilettantisch anmuten.

Mir wurde alles gezeigt, nicht einmal den Kaffee musste ich zahlen.

Nach rund 4 Stunden, hatte ich nur noch eine Stunde zur Verfügung und begab mich in den riesigen Weinkeller, erstand noch einen Gewürztraminer und machte mich am Weg zum Bahnhof. Kaufte noch rasch das Bier, etwas Käse und Zigaretten ein, dann ging es auch schon Richtung Heimat.

Zu Hause angekommen, gab ich erst mal Entwarnung- schnappte mir das Bier und den Käse- klingelte bei meinem Nachbaren- keiner da!

Also hänge ich die Mitbringsel an die Tür und schreibe eine SMS.

„Ich machte es wie Luther, aber statt Thesen, gibt´s Bier und Futter!“

Antwort: „Was hast du mit der Tür gemacht?“

Er war äußerst beruhigt, dass ich keine Nägel verwendet hatte.

© Sirius