Du lernst kochen

„Stell mal das Stockerl vor dem Herd!“ Ich, die Siebenjährige, tu was Frau Mama sagt.

„Gut, steig´mal rauf!- Perfekt, das geht sich aus- du lernst jetzt kochen!“

Scheinbar hatte sie es satt, mir mein Essen vorzukochen und in die Thermoskanne zur Verwendung, nach der Schule bereitzustellen.

Das erste Experiment, für das Schlüsselkind, sollte ein Naturschnitzel mit Salat sein.

Ein Feuerlöscher wäre beim Essen recht hilfreich gewesen. „Du hast es gekocht, also musst du es auch essen!“ Viel zu viel Pfeffer!

Ich lernte rasch, war auch stolz, immerhin musste ich nicht, wie meine Klassenkammeraden, essen was am Tisch kommt. Ich machte mir selbst meinen Speiseplan.

Doch es gab da noch die Wochenenden. Natürlich half ich auch in der Küche mit, aber leider wurden manchmal Dinge gekocht, die Papa schmeckten, denen ich aber nichts abgewinnen konnte. Normalerweise, kochte ich mir dann ein Ausweichessen.

An diesem Tag, gab es Tafelspitz und davor eine Frittatensuppe. Für die Frittaten sollte ich zuständig sein. Also, mischten wir den Teig- Pfanne auf den Herd- ich aufs Stockerl.

„Wenn du die Pfanne rüttelst, und die Palatschinke sich bewegt, ist es Zeit diese umzudrehen!“ Mama nimmt die Pfanne, macht eine ruckartige Bewegung, schwupps, der Teig fliegt durch die Luft und landet auf der nicht gebräunten Seite, in der Pfanne.

Oh, das gefällt mir! Nun bin ich dran. Das Wenden, kann ich am Stockerl nicht machen, also steige ich mit der Pfanne runter- ich rüttle, setze zum Schwung an- das Teil, zieht in eine andere Umlaufbahn- ich hinterher- Mama, geht in eine Position, wo sie glaubt, dass es landen wird. Ich versuche, die Palatschinke zu fangen- Peng- Palatschinke in der Pfanne, aber die Pfanne am Kopf meiner Mutter. Eine heiße, aber kleine feine Beule. Ihre grünen Augen funkeln. „Tschuldigung“- „Pass auf, was du tust!“ Wir müssen beide lachen.

Ohne weitere Vorfälle, ist das Essen fertig. Nach dem Supperl, wird der Tafelspitz angerichtet- doch was war das? Ich hatte nicht mitbekommen, dass ein Semmelkren, als Beilage gekocht wurde. Ergo, hatte ich mir keine Alternative kreiert. Rein optisch, hat diese Beilage, etwas von: „Das hat schon wer mal gegessen“ und geschmacklich, sehr viel von „igitt“.

Ich stocherte in der Pampe rum- der Geduldsfaden meiner Eltern, wurde immer dünner.

„Jetzt iss doch endlich auf, sonst gibt’s keinen Nachmittagsfilm für Dich!“

Ich nahm einen Löffel des Breies, in die linke und einen in die rechte Backe, tat als ob ich aufs WC musste, um diesen dann zu entsorgen. Das Spiel, ging nur 2x gut.

Der Nachmittagsfilm hatte begonnen, mein Sessel wurde umgedreht, was jedoch nichts nutzte, da ich den Film in der Vitrine sah- den Ton hatte ich ohnedies.

„Iss endlich, sonst setze ich dir den Teller auf!“ „Gibt es draußen, noch was davon?“

„Nein!“

Ich setze mir selbst den Teller auf. Gut, ich bekam eine Schallende und musste putzen, aber mir blieb die Pampe erspart.

© Sirius