Mein Chef der Rosenkäfer

Ich hatte einen neuen Job und musste mir den angestrebten Nachtdienst erst verdienen.

Wie das gemeint war?

Als Beiwagerl zum Einschulen wurde eine Woche in den Raum gestellt. Nun gut, die Kollegin war nett, wollte aber über die „Beförderung“ kein Wort verlieren.

Mein Chef, plumper Oberkörper, dünne Arme und Beine, viel zu große falsche Zähne (optisch hatte er oben und unten je 32 Zähne) mit seichten Schmäh ausgestattet, verfügte offensichtlich über viel Testosteron.

Zu meinen Aufgaben gehörte auch, dass ich ihm telefonisch vorwarnte wenn seine Ehefrau in Sichtweite des Lokales war, da er im Dachgeschoß eine Wohnung hatte und die jungen weiblichen Gäste auf ein Schäferstündchen mit rauf nahm.

Ich dachte, dass dies der Eignungstest für den Nachtdienst war. Unverständlich war mir, wie hübsche junge Mädchen… einfach ekelig. Noch grauslicher die Tatsache, dass er das Ehebett dafür verwendete.

Am dritten Tag fragte ich einmal nach, wie es um meinen Nachtdienst steht- „Musst dir erst verdienen!“

Er geht Richtung WC, öffnet seine Hose vor der Tür, nimmt die Zeitung und verschwindet hinter der Tür. Nach einigen Minuten- „Bin fertig!“ Ich schau meine Kollegin an. „Ist nur ein Test- denk dir nix und ignoriere das!“

Tag 4- kurz vor zwölf läutet das Telefon- mein Chef: „Gestern war´s lang- bring mir ein Seiderl und ein Gulasch rauf!“

„Ich glaub du bekommst heute deinen Nachtdienst!“, meinte meine Kollegin und schmunzelte.

„Du musst hinten bei der Tür raus- mit dem Aufzug in den letzten Stock und dann die restlichen Stufen raufgehen- die Tür wird offen sein.“

Ich nehme mir ein Tablett und richte die Bestellung an, und mache mich als La Linea (leises keppeln „wieso, warum- soll doch unten essen…“ auf den Weg.

Na, bravo- ein alter Lift- Tür zum Öffnen und dahinter noch eine Tür zum Schieben. Ich fädle mich ein- fahre rauf- noch einen Stock per Pedes- die Tür von der Wohnung ist angelehnt.

Läute an- „Rein kommen!“

Ich mach die Tür auf, gehe zwei Schritte rein- er steht im Adamskostüm vor mir.

„Gemmas an- du willst ja den Nachtdienst!“

Ich drehte das Tablett um- das Bier und das Gulasch verteilte sich rundum. So schnell ich konnte, war ich wieder im Lokal um meine Handtasche zu nehmen und das Lokal zu verlassen.

Die Kollegin meinte nur: „Hut ab! -jetzt weißt warum ich den Tagdienst mache!“

Ich war noch tagelang schockiert- ein Speiselokal im ersten Bezirk wo sich Promis und Politiker treffen- nie hätte ich das gedacht. Man lernt eben nie aus!

© Sirius