Rache ist süß/ sei höflich zu deinem Perso

Montagmorgens, 24 neue Mails – typisch, hatten wieder Zeit zum Nachdenken.

Mal sehen, was haben wir denn da?

Erstmal den Betreff lesen- oha, fristlose Kündigung!

Was nun Kündigung oder Fristlose Entlassung- ich mache die Mail auf.

Einer meiner „Lieblinge“, der Kunde betreibt eine KFZ Werkstatt und ist niemals zu sprechen. Das Zepter hat die über 70jährige Mutter fest in der Hand.

Da wo sie ist, ist vorne und Widerspruch sollte eigentlich mit der Todesstrafe geahndet werden.

Ohne Anrede und ohne Signatur stand da: „Herr X ist sofortiger Wirkung fristlos gekündigt. Erwarte mir umgehend Endabrechnung.“

Herr X hatte vor 3 Wochen einen Arbeitsunfall und lag mit einem Liegegips friedlich zu Hause im Bett.

Was könnte da zu einer Fristlosen führen?

Hilft ja nichts- ich rufe die Dame an.

„Guten Morgen, Frau …. ich habe gerade Ihre Mail gelesen und..“

„Wird auch Zeit, dass Sie sich darum kümmern! Ich habe die Mail am Samstag um 10 Uhr an Sie gesendet. Ich werde mich beschweren!“

„Das können Sie gerne tun, jedoch ist die Kanzlei am Samstag geschlossen. Was hat Herr X gemacht, dass Sie ihm die Fristlose aussprechen und wie hat er die schriftliche Entlassung erhalten und wann?“

„Das geht Sie gar nix an, aber ich bin zu ihm gefahren und habe sie ihm in die Hand gedrückt am Samstag. Der Trottel ist ja nur zu Hause weil er Liebeskummer hat und dafür zahle ich nicht.“

„Er hatte einen Arbeitsunfall und ist ans Bett gefesselt, was hat das mit Liebeskummer...“

„Sie Trampel, Sie haben zu tun was ich sage, ich zahle Sie falls Sie das vergessen haben. Er bekommt nichts. Keine Sonderzahlungen, keinen Urlaub- nichts also. In 5 Minuten will ich die Abrechnung haben“. Sie legte auf.

Ich ging zu meinem Chef, schilderte ihm den Sachverhalt, und bat ihm nochmals mit ihr zu sprechen, da sie sonst sicher vor dem Arbeits- und Sozialgericht landen würde.

Nach einer Stunde erhielt ich folgende Nachricht von meinem Chef per Mail:

„Frau X handelt auf Anraten ihres Anwaltes. Wir rechnen wie gewünscht ab.“

In fester Überzeugung, dass der Anwalt sie auch nicht leiden kann, folgte ich der Anweisung und rechnete auch gleich mal die Ansprüche für den Akt aus, wenn Herr X zur AK geht. In der nächsten Woche, hatte ich schon eine Mail von der AK mit den Forderungen am Tisch .Insgesamt haften laut AK rund 6500 Euro aus. Ein Blick in meine Akten und meiner Berechnung nach haftet ein Betrag von 7650 Euro aus.

Kurz überlegt, schloss ich meine Tür und rief bei der AK an. Normaler Weise handeln wir immer im Sinne des Klienten- aber der „Trampel“…

„Grüß Sie, Herr „Y“, Sie haben den Umstand, dass Herr „X“ im Krankenstand war nicht berücksichtig, bitte weiten Sie Ihre Forderungen wie folgt aus“

AK: „Herzlichen Dank, wenn Sie mal etwas brauchen…“

© Sirius