Versuchskaninchen gesucht

Die Fahrt nach Deutschland mit dem Zug sollte 10 Stunden dauern, also kaufte ich mir den Hexenhammer und nahm auch die Lernunterlagen für meine bevorstehende Führerschein Prüfung mit.

Meine Tante holte mich ab. „Wie war die Fahrt?“ „Kurzweilig- kennst du das schwarze Bilsenkraut?“

„Klar, wächst bei uns- was führst du im Schilde?“ „Nix, zeigst du´s mir?“

Sie hält mit dem Auto kurz vor dem Ziel, deutet auf den Wegesrand- „Da steht es!- Lass es in Ruhe- du bist wie Oma (meinte ihre, also meine Uroma)- willst sicher etwas ausprobieren.“

Sie kannte mich gut. Schon im Zug hatte es mir die Flugsalbe angetan. Eigentlich hatte ich alles zu Hause, nur kein Bilsenkraut und kein Kinderfett. Letzteres kann man auch ersetzen (glaube gar nicht, dass dies je verwendet wurde.)

Wie auch immer, ich trat die Rückreise mit dem getrockneten Bilsenkraut an.

Ich machte mich noch kundig wegen der Mengen und der einzelnen Wirkungen der Ingredienzien.

Die Hexenküche wurde eröffnet- heute braue ich, morgen …

Da war nur ein Problem- ich musste jemanden finden, der auf mich aufpasst beim Selbstversuch.

„Du musst deppert sein“, war noch die harmloseste Aussage auf meine Anfrage.

Ich hatte sie leicht gemacht, angesichts der toxischen Stoffe und auf den Fliegenpilz verzichtet. Im Prinzip sollte die Salbe auch gegen starke Schmerzen helfen.

Plötzlich ein Anruf- mein Fahrlehrer- zeitweise bekam ich Gratisfahrstunden, wenn er am Feiern war und nicht mehr selbst fahren durfte.

„Kannst du mich nach Hause fahren, ich hatte einen Unfall“

„Klar, bin gleich da!“

Ich packte meine Salbe ein, ging zu Fahrschule und erblickte ihm wartend und gekrümmt.

„Was ist passiert?“ „Bin mit der Maschine gefahren, habe gebremst und landete vor der Maschine mit einem Bauchfleck auf dem Asphalt. Ich habe einen schwarzen Handyabdruck auf meiner Brust- nur eine Prellung. Aber ich kann nicht einmal die Hand heben.“

Ich fuhr ihm nach Hause und erzählte von meiner Salbe.

„Das probieren wir aus- die Schmerzmittel vom Spital wirken bis jetzt nicht.“

„Sicher?“

„Klar, du musst halt da bleiben und mein Nachbar kommt auch rüber. Wenn was sein sollte…“

Der Nachbar und ich salbten ihm ein- legten einen Verband an und beförderten ihm ins Bett.

Er schlief wie ein Stein- wir spielten neben dem Bett Poker um jede Veränderung mitzubekommen.

Dann schliefen wir abwechseln, damit nichts passiert.

12 Stunden später, wachte er auf, keinerlei Schmerzen mehr, aber irre Träume, über die er nicht sprechen wollte.

Der schwarze Bluterguss war noch da und heilte nach einiger Zeit ab.

Er konnte am nächsten Tag wieder arbeiten. Einzige Reklamation: Das seidene Bettzeug war grün und damit versaut. Er bestand darauf, dass ich ihm die restliche Salbe schenke.

„Mach ich gerne, mein Versuchskaninchen“!

Mich hätten die Träume sehr interessiert…

© Sirius