Ein Rezept von Ayutthaya

Eine meiner Lieblingsentdeckungen in Thailand ist das Nationalgericht, das Pad Thai. Die dünn geschnittenen Reisnudeln werden mit Gemüse, Fleisch, einer priese Salz, sehr viel Zucker, etwas Oystersauce und Zitronengras zubereitet. Darüber streut man zerriebene Erdnüsse und drückt eine halbe Limette aus.

Mich erinnert das Gericht auf gewisse Weise an die ehemalige Hauptstadt. Eine Mischung aus verschiedenen Eindrücken und Komponenten die auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen scheinen. Alleine stehend sind sie auch nicht sonderlich gut – in Kombination aber harmonieren sie und führen zu einem einzigartigen Erlebnis der Sinne.

Ayutthayas Hauptstraße ist breit, laut und vierspurig, voll mit modernen Cafés und Touristischen Hotspots. Sobald meine Freundin und ich in eine Seitengasse abbiegen, wird es auf einen Schlag komplett still. Gerade noch von westlich anmutenden Shops umgeben, bekommen wir hier den authentischen, stets etwas skurillen thailändischen Alltag zu sehen. Haus um Haus drängt sich in einer dichten Reihe schiefer Bauten aneinander. An fast jedem der schütteren Dächer trohnt hochglanz polierte moderne Fernsehschüssel. Wäsche wird Platzmangels wegen einfach aus den gläserlosen Fenstern gehängt – bei so wenig Privatsphäre ist auch schon egal, wer wessen Unterhosen betrachten kann. Fast unabsichtlich lässt es sich durch die halboffenen Fensterläden spähen um einen Blick nach innen erhaschen. Hier sieht man Bewohner Buddhastatuen anbeten und auf Matten am Boden schlafen. Vor den Türen sitzen Frauen und bereiten Unmengen an Essen für den Nachtmarkt vor. Alle paar Meter stoßen wir auf schlafende Katzen und Hunde, oft versteckt sich im Schatten eines „Spirit House“, ein Schrein der in keinem frommen Haushalt fehlen darf. Regelmäßig werden Opfergaben in die Puppenhausähnlichen Gebilde gebracht - zigarretten, Wasserflaschen, Blumen.

Am Ende der Gasse sitzt eine alte Frau vor ihrer Haustüre und Näht. Sie sieht uns besorgt an und redet auf Thai auf uns ein. Ihre Freundin übersetzt in fließendem Englisch: „das ist ein gefährliches Viertel, auch bei Tag- Mädchen sollten hier nicht in den Gassen spazieren“. Wir machen, das wir rauskommen, auf die Hauptstraße zurück. Hier finden wir uns in einem Schwall Überknielanger Röcke und gerüschten Blusen wieder. Die katholische Schule hat zum Unterrichtsschluss geläutet, und hunderte junge Mädchen machen sich auf den Weg nach Hause- mit streng unter den Ohren abgeschnittenen, mittig gescheitelten Haaren sehen sie aus wie kichernde Champignons. Sie stubsen sich an und werfen uns seitliche Blicke zu - wir sind hier fremd. Reflexartig lächle ich ihnen zu, sie winken und lachen bevor sie in die benachbarten Gassen verschwinden. Genau so schnell wie sie gekommen ist, verschwindet die ganze Horde wieder.

Unsere Augen sind zu groß um Fotos zu machen- solche Eindrücke, wie ein Spaziergang in Ayutthaya sie bietet, lassen sich nur im Kopf aufbewahren

© Sofia