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Versuche es mit einem LIKE

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Versuche es mit einem LIKE | story.one

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Aufsatz zum Thema: "Wie Sie die richtigen Dinge in Ihr Leben ziehen. Alles ist Schwingung."

Und einer der Ratschläge lautete: "Seien Sie unwiderstehlich sympathisch". Der Autor hatte hier absichtlich etwas plakativ formuliert, um dem Leser ein Lächeln auf's Gesicht zu zaubern.

Aber wie geht das? Einer seiner Hinweise war, auch andere Menschen sympathisch zu finden. Eine Interaktion mit Erfolgsgarantie.

Wir alle kennen ja den einen oder anderen Zeitgenossen, den wir absolut nicht leiden können. Dessen reine Namensnennung uns die Nackenhaare hochstehen lässt. Den wir lieber gehen als kommen sehen.

Aber auch hier empfiehlt der Autor ein Umdenken. Er gibt uns die Aufgabe, an einem dieser Menschen etwas zu suchen, das wir sympathisch finden. Und falls das nicht möglich sei, doch zumindest etwas ausfindig zu machen, das wir als positive Eigenschaft bewerten könnten.

Eine echte Herausforderung. Denn ich dachte umgehend an meine "Lieblingsfrauen", drei an der Zahl. Und ich beginne mit der mir gestellten Aufgabe, indem ich darüber nachdenke, was mich an diesen Ladies so sehr stört. Ihre Namen habe ich anonymisiert.

Anne z. B. ist bossy. Konkurrenzorientiert und weiß alles besser. Gibt ihre negativen Kommentare zu allem und jedem ab. Beschwert sich, wenn Dinge nicht so laufen wie von ihr als richtig erachtet. Wir nennen sie den "army sergeant", der auch im Ruhestand nicht von alten Gewohnheiten lassen kann.

Dann gibt es Betty. Sie ist laut, übersteuert leicht, und wenn ich im Charity-Shop mit einer Kundin spreche, grätscht sie regelmäßig verbal dazwischen, obwohl sie gar nicht nicht gefragt worden ist. Zudem ist sie neugierig hoch drei. Fragt die Leutchen aus und weiß alles. Vor allem liebt sie Klatsch und Tratsch. Die Drama-Queen.

Und dann noch meine Lieblingskundin, Margo. Sie sagt weder bitte noch danke. Wenn ihr der Preis zu hoch ist, verzieht sie abfällig das Gesicht und wirft die Ware verächtlich zurück auf die Theke. Respektlos wäre wohl die passende Beschreibung.

Aufgabe Teil 1 erledigt. Und nun beginnt meine Suche nach den positiven Eigenschaften.

Zuerst zu Anne. Sie ist hilfsbereit und engagiert. Liebt Blumen und kocht gerne. Und Betty. Ja, auch sie will im Grunde helfen und ihren Teil zum Gelingen unserer Arbeit beitragen. Kümmert sich z. B. regelmäßig um ausreichend Wechselgeld. Und nun zu Margo. Hier muss ich lange nachdenken.

Ich war am Anfang sehr freundlich zu ihr. Was mir nicht gut bekommen ist. Sie fühlte sich ermutigt, immer wieder nach einem Warenrabatt zu fragen. Was mir als Volunteer in einem Charity-Shop dann doch zuviel wurde. Seitdem ist neutrale Ignoranz angesagt.

Falls mir wider Erwarten noch etwas Positives zu Margo einfällt, gibt's eine neue Story.

Aber alles in allem muss ich sagen, dass es ein guter Ansatz ist, ab und an die Perspektive zu wechseln und unsere Mitmenschen unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Es erleichtert und fühlt sich gut an.


© Solandra 2020-10-17

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