skip to main content

#liebe#erotik#katze

Aus dem Leben einer Federboa

  • 185
Aus dem Leben einer Federboa | story.one

Hier liege ich nun. Achtlos zur Seite geschafft, abgelegt wie ein unwichtiges Ding, meiner W├╝rde beraubt.

Vor einigen Stunden noch war ich Mittelpunkt, durfte ├╝ber nackte Haut streichen, eine wundersch├Âne Frau zum Zittern und Seufzen bringen, mich an nackte Br├╝ste schmiegen und zwischen hei├če Schenkel gleiten.

Ohne mich w├Ąre die vergangene Nacht f├╝r die beiden Liebenden ohne gro├če Aufregung verlaufen. Ihr Spiel w├Ąre auf das Banale, den menschlichen Trieb, auf das Animalische reduziert geblieben. Ich aber habe Eleganz, Stil und wahre Sinnlichkeit in ihre Begegnung gebracht. Durch mich erst wurde die Nacht der Liebenden zu etwas Unvergleichlichem, zu etwas Unvergessenem.

Als sie nach einem romantischen Abendessen nach Hause kamen, hat er ihr die Augen verbunden, sie nach und nach ausgezogen und dann vorsichtig zum Bett gef├╝hrt. Er wartete ab, bis sie vor ihm lag. Nackt und erwartungsvoll. Danach hat er mich ganz langsam ausgewickelt aus hauchd├╝nnem, raschelndem Seidenpaper. Augenblicklich war ihre Aufmerksamkeit bei mir. Was f├╝r ein Augenblick!

Danach durfte ich ├╝ber Stunden mein K├Ânnen zeigen, durfte Haut ber├╝hren, durfte verf├╝hren, all ihre Sinne ├Âffnen und bei ihr sein als Wonneschauer sie durchliefen wie kleine Erdbeben. Ich war ganz nah an ihrem Hals, umschmiegte ihren Nacken und war direkt an ihrem Herzen, als sie sich irgendwann aufl├Âste in Seufzen und einem langen tiefen St├Âhnen. Und auch als er ihr danach die Augenbinde abstreifte, sie z├Ąrtlich in seine Arme nahm und sie leise zu weinen begann vor Gl├╝ck, war ich bei ihr.

Und wof├╝r das alles? Wof├╝r mein Einsatz, meine Konzentration, meine Hingabe? F├╝r diese unfassbare Missachtung jetzt? Abgelegt auf einem Nachtk├Ąstchen, weggeschafft, einem gelangweilten grau getigertem Kater ausgeliefert. Was f├╝r eine Schmach!

Viele Stunden Arbeit hat es gekostet mich zu erschaffen, aus hunderten feinsten bunten Federn bestehe ich, gedacht als Schmuckst├╝ck und als Mittelpunkt f├╝r das sinnliche Spiel. Doch jetzt liege ich hier, wage kaum meine feinen bunten Federn zu bewegen, halte still, stelle mich tot. Wehe der Kater erkennt meine Zartheit, meine Biegsamkeit, meine Leichtigkeit, meine Verletzlichkeit. Er w├╝rde mich zum Spielzeug erkl├Ąren, mich zerzausen, rupfen, mir meine Seele rauben, in Einzelteile zerlegen.

Aber eines wird er mir trotzdem nie nehmen k├Ânnen: Meine Erinnerung an letzte Nacht.

┬ę Sonja Schiff 2020-10-31

Kommentare

Geh├Âre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ├╝ber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.